Mal wieder auf Wohnungssuche
Das vierte Mal Wohnungssuche innerhalb von zweieinhalb Jahren. So langsam habe ich Routine. Ich muss sagen, hier in Kalifornien ist es viel einfacher als in Deutschland: Ab einer gewissen Größe (16 Apartments?) der Anlage muss ein Vollzeit-Resident-Manager vor Ort sein. Meist hat dieser auch am Wochenende Dienst. Bei den größeren Anlagen sind es bis zu drei bis vier Leute, die sich nur um die Belange der aktuellen und zukünftigen Mieter kümmern. Wie ich bereits mal geschrieben hatte, gibt es so gut wie keine Wohnungsmakler für Mietwohnungen, und wenn, dann werden sie vom Vermieter beauftrag und bezahlt, um Mieter zu finden. Als Mieter schaut man sich also nur bei craigslist.org um, ruft die dort angebene Telefonnummer an um einen Termin zu vereinbaren, und erhält eine nette Tour durch die Apartmentanlage. Gefällt es, füllt man eine Bewerbung aus und stellt gleich einen Scheck über die Reservierungskaution aus, und das war es.
Gestern hatte ich die erste Besichtigung: $1.250 pro Monat, mit Pool, riesiger Balkon, weniger als eine Meile vom Büro entfernt, neben einem dieser kleinen typischen “Einkaufszentren” mit Starbucks, McDonald’s und Pizz-A-My-Heart. Was natürlich nicht in der Anzeige stand: Die Küche und das Badezimmer war noch original aus den Sechzigerjahren, noch schlimmer als meine jetzige. Jetzt habe ich immerhin eine Digitaluhr am Herd, das Teil dort war noch analog. Eine Gasheizung in einem Holzschrank soll im Winter die Wohnung warmhalten. Der Besitzer war gleichzeitig der Hausmeister und etwas zu gesprächig für meinen Geschmack. Er war früher mal Footballspieler und hat so sein Geld verdient, und jetzt ist er Immobilieninvestor. Er hat Grundbesitz in der Ukraine, wo er auch ab und zu mal hinfliegt um eventuell eine Frau zu finden. Zu viel Information, danke. Zu seinen Mietern zählten ein Stanford-Doktor und ein Rechtsanwalt. Wie die es mit der veralteten Wohnungsausstattung aushalten, ist mir allerdings ein Rätsel. Auch auf apartmentratings.com kam die Anlage nicht gut weg: Die Wärmeisolierung sei unter aller Kanone.
Heute dann Apartment Nummer 2: $1,175 pro Monat, angeblich großer Balkon (der sich dann als Zugang zum Apartment herausstellte), neuer Fußboden und aktuelle Küchenausstattung, zwei Meilen vom Büro entfernt. Trotz der vereinzelten Upgrades hinterließ das Apartment allerdings auch wieder einen abgewohnten Eindruck. Der dazugehörige Autostellplatz war nicht überdacht, zusammen mit dem nicht sehr privaten “Balkon” haute mich das Apartment nicht vom Hocker. Ähnlich war es auch mit einem weiteren für $1,350. Nur eine Meile vom Büro, Pool, allerdings war auch wieder der Balkon der Aufgang zu den Apartments, auf dem andere Mieter zu ihren Wohnungen gehen, wobei sie auch durchs Fenster ins Wohnzimmer schauen können. Nein danke.
Allerdings gab es auch einen Lichtblick. Ein Komplex, den ich bei der letzten Suche ins Auge gefasst hatte, wobei es mir damals etwas zu teuer war, und ich nie einen Manager für eine Führung zu fassen bekommen habe. Diesmal habe ich mir das Ganze genauer angeschaut, denn die Zweizimmerwohnung kostet “nur” noch $1,445. Da das auch Wasser- und Abfallgebühren beinhaltet, ist es günstiger als meine jetzige Wohnung, aber um zwei Klassen besser: Zwei Pools, Whirlpool, unnötiger Krempel wie Billardraum, Tischtennis, Fitnessstudio, riesiger privater Balkon, schräge hohe Decken, Klimaanlage, neue Küche, Gaszentralheizung, weniger als zwei Meilen vom Büro, in Fußreichweite zu einem Supermarkt. Ich war schon bereit, den Mietvertrag zu unterzeichnen, da gab Maggie, die freundliche Assistant Managerin, ein kleines wichtiges Detail preis: Die Wohnungen sind zwar Ende Mai frei, allerdings müssen sie noch gereinigt und eventuell renoviert werden, und das dauert bis Anfang Juni. Ich muss am 30. Mai aus meiner aktuellen Wohnung raus sein. Also versuche ich jetzt, meinen Auszug um zwei Wochen zu verschieben, um die Wunschwohnung zu erhalten. Drückt mir die Daumen!

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