Silvester: Erster Kontakt mit der Polizei

“Wieder zurück auf die Autobahn?”
“Nee, fahr mal geradeaus.”
Marius und ich waren auf dem Weg zur Silvesterparty in einem Irish Pub im Richmond District von San Francisco und hatten uns etwas verfahren. Ich stand bereits auf der Spur zur Autobahnauffahrt, aber da die Spur links neben mir frei war, zog ich einfach rüber, nachdem die Ampel auf grün schaltete. 50 Meter später tanzten plötzlich bunte Lichter in meinem Rückspiegel, und wir hörten das vertraute Geräusch einer kurz aufheulenden Polizeisirene. Kein Zweifel, das galt uns, wir wurden angehalten, oder “rübergezogen”, wie die Amis das wörtlich übersetzt nennen. Das erste Problem in so einer Situation: Einen sicheren Ort zum Anhalten zu finden, ohne den Eindruck zu erwecken, man möchte abhauen. Wir fuhren langsam in eine Seitenstraße. Nur um auf Nummer sicher zu gehen, heulte die Polizeisirene noch einmal auf, und endlich fanden wir eine geeignete Stelle.
Ein freundliches, junges Polizistengesicht schaute durchs offene Seitenfenster. Wir seien geradeaus gefahren, wo wir eigentlich auf die Autobahn hätten fahren müssen. “Richtig. Wir haben uns verfahren.” Ich reichte Führerschein, Zulassung und Versicherungsnachweis aus dem Fenster. Wieviel ich getrunken hätte? Ich dachte mir, “Ehrlich währt am längsten”, und antwortete wahrheitsgemäß: “Ein Bier”. Sicher, nur eins? Was für ein Bier das denn gewesen sei? “Heineken”, antwortete ich wie aus der Pistole geschossen, und eine Sekunde später fiel mir ein, dass es eigentlich ein Beck’s gewesen war, ich kann die nie auseinanderhalten, beide in dieser grünen Flasche und in etwa gleich häufig von mir konsumiert. Doch um den Cop nicht weiter zu verwirren, verkniff ich mir die Korrektur. Nun sollte ich nur mit den Augen der Fingerspitze des Polizisten folgen, eine meiner leichtesten Übungen, die ich offenbar zur Zufriedenheit des Officers ausführte. Wieviel Bier das denn nochmal gewesen seien? Ich durchschaute seine knallharte Verhörtaktik, die nur darauf ausgelegt war, mich in Widersprüche zu verstricken, und blieb eisern bei meiner Version des Tathergangs: “Eins.” Er verschwand zu seinem Wagen, um meine Papiere zu überprüfen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kehrte er zurück, drückte sie mir in die Hand und wünschte uns noch einen schönen Abend, nicht ohne die Ermahnung, vorsichtig zu sein, es sei ja schließlich Silvester.
Erleichtert startete ich den Wagen. Wir mussten in die Gegenrichtung, doch die Fahrbahnen waren durch zwei gelbe Linien getrennt. Darf man da wenden? Ich wartete einfach, bis der Cop außer Sichtweite war und führte eine lupenreine Dreipunktwendung durch, bei dessen zweitem Punkt mir auffiel, dass hinter dem bereits losgefahrenen Cop noch ein Fahrzeug der Highway Patrol gewartet hatte. Der darin sitzende Beamte mit einem deutlich weniger netten Gesicht beschränkte sich aber nur darauf, mich böse anzuschauen. Und nochmal Glück gehabt.
In allen Zeitungen waren wie jedes Jahr große Polizeieinsätze angekündigt worden, und ich konnte mich also selbst davon überzeugen, dass das keine leere Drohung war. Im Radio lief tagsüber alle 15 Minuten ein Werbespot mit einem James-Brown-mäßigen Song: “I’m your designated driver, baby!” Und heute war ich der designierte Fahrer, da ich keine Lust auf Alkohol und den unausweichlichen Kater hatte.
In der “Abbey-Taverne” warteten bereits die Freundesfreunde: Acht Frauen. Eine Deutsche, eine Schottin, zwei US-Philippinas und der Rest Amis. Wobei eine der Amerikanerinnen bereits so viel getrunken hatte, dass sie um halb elf von einer der Freundinnen nach Hause gebracht werden musste. Ich war noch etwas gezeichnet vom Jetlag, und außerdem hatte ich meine Lebensmittelallergie über die Feiertage und im Flugzeug nicht ganz so ernst genommen, was sich jetzt rächte: Ich sah ziemlich fertig aus. Trotzdem sprach mich jemand an: “My friend thinks you’re cute, do you wanna come over and dance with us?” Mit einer Mischung aus Nicken und Schulterzucken lehnte ich dankend ab. Das passierte mir jetzt schon zum dritten Mal während meines kurzen Aufenthaltes hier, und ich kann mich nicht erinnern, dass mich jemals in einer deutschen Kneipe jemand so angesprochen hatte. Überhaupt waren die Frauen ziemlich offensiv dort, das irritierte mich schon etwas. Deswegen, und auch aufgrund meiner Müdigkeit, war ich nicht traurig, als wie jeden Abend um zwei die Lichter angingen und der Türsteher das Ende der Nacht verkündete. Die Heimfahrt verlief ohne Zwischenfälle, obwohl die Polizeipräsenz und der Verkehr nach Sperrstunde wirklich beeindruckend war.
Heute dann begrüßte die Sonne ausgiebig das neue Jahr. So mild und sonnig, dass ich auf dem Balkon frühstücken konnte, mit Cappuccino und aus Deutschland mitgebrachtem Niederegger-Marzipan. Auf dem Sportplatz war es warm genug, um im T-Shirt zu laufen. Wettermäßig fing das Jahr auf jeden Fall gut an!
Es blieb auch noch genug Zeit heute, um beim nahegelegenen Elektronikmarkt die Neujahrsangebote mitzunehmen: Ein leises 600-Watt-Netzteil für meinen Rechner, das normalerweise $85 Dollar kostet, auf $55 runtergesetzt und mit $50 mail-in-rebate, so dass es im Endeffekt auf $5 hinausläuft. Nicht schlecht! Der 22-Zoll-Monitor von Samsung für $250 wanderte ebenfalls in meinen Einkaufswagen.
Ach ja, neue Gesetze traten in Kalifornien heute in kraft: Man darf nicht mehr beim Autofahren mit dem Handy telefonieren, allerdings wird das erst ab 1. Juli bestraft. Wenn sich Kinder im Auto befinden, darf man nicht mehr rauchen, allerdings ist das nur eine “kleine” Ordnungswidrigkeit, wegen der allein man nicht angehalten werden darf. Oh, und Arbeitgeber dürfen ab heute nicht mehr von ihren Angestellten verlangen, sich zu Identifikationszwecken Mikrochips unter die Haut implantieren zu lassen. Wurde auch höchste Zeit!

Die Postaffäre weitet sich aus

Die ärgerliche Situation mit dem zerstörten Briefkasten hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Nachdem die Post kurzzeitig wieder zögerlich Briefe auslieferte, wurde jetzt unser Briefkasten mit Tape überklebt: “Caution – Wet paint!”
Briefkasten
Ich vermute, ein übereifriger Briefträger hat entgegen der Dienstanweisung doch Postsendunden in dieser behördlich nicht als sicher geltenden Postsendungsempfangsanlage deponiert und ein Vorgesetzter hat das mitbekommen und ist energisch eingeschritten. Jedenfalls hat unser Apartmentmanagement uns die frohe Nachricht überbracht, dass die Spezialanfertigung noch vier bis fünf Wochen auf sich warten lassen wird, und wir weiterhin die Post beim Postamt abholen müssten. Wir könnten aber einen Nachsendeauftrag an das Büro des Managements einrichten, sie würden sich freuen, die Post für uns in Empfang zu nehmen.
Also bin ich am Montag wieder etwas früher aufgestanden, um mich beim Postamt Sunnyvale in die lange Schlange der Weihnachtspaketeversender einzureihen. Nach einer gefühlten halben Stunde war ich auch schon an der Reihe. Kurz erklärte ich mein Anliegen, und der lethargische Beamte schlurfte wild entschlossen ins innere Sanktum des Postamtes. Irgendwie ist die Post überall auf der Welt gleich. Nach guten zehn Minuten kehrte er zurück, mit leeren Händen. “I’m sorry, I can’t give you your mail. I can’t find anything, it’s all mixed up.” Was?! Und wie soll ich an meine Post kommen? “It will be distributed once the new mailbox is in place.” Aber das kann fünf Wochen dauern! Schulterzucken. Voll ratloser Wut brauste ich vom Parkplatz in Richtung Büro.
Eine verärgerte Mail an das Apartmentmanagement wurde sogar beantwortet, wenngleich wenig befriedigend. Immerhin sind wohl mittlerweile die Materialien eingetroffen, jetzt muss die neue Box nur noch installiert werden. Hoffentlich noch dieses Jahr. Jetzt habe ich einen Nachsendeantrag gestellt. Ich hoffe nur, dass die Post die Absender nicht über meine neue Adresse informiert, und die sich nicht wundern, dass ich jetzt im “Leasing Office” wohne.
Rechtlich habe ich auch keine Handhabe, weil ein kaputter Briefkasten das Apartment nicht unbewohnbar macht, im Gegensatz z.B. zu kaputten Mülltonnen. Mieter sind in den USA nur ein klein wenig oberhalb von Obdachlosen angesiedelt. Langsam verstehe ich, warum hier jeder sein eigenes Haus haben will.

Ein traumhaftes Wochenende in Dana Point

Das Wochenende begann mit Regen. Sehr viel Regen. So viel, dass ein Schild auf dem Flughafenparkplatz in San Jose empfahl, in den hinteren Reihen zu parken, weil die vorderen bei Regen regelmäßig überschwemmt werden. Der Flughafen selbst ist einer der unangenehmsten die ich kenne. Man fühlt sich eher wie im Busbahnhof, und es gibt zu wenig Sitzgelegenheiten.


Regen auf dem Heimweg.

Regen auf dem Heimweg. Links mein Apartmentkomplex.

Ganz anders dagegen der “John Wayne Airport” in Santa Ana. Da ich noch nie davon gehört hatte, erwartete ich einen kleinen Provinzflughafen mit Bretterbuden. Tatsächlich handelte es ich aber um ein modernes, relativ großes Exemplar. Auffallend waren die vielen kleinen geparkten Privatjets, ein Zeichen des ausgeprägten Wohlstands der Gegend. Unsere kleine Gruppe wurde von Männern in schwarzen Anzügen erwartet, die uns in einem ebenso schwarzen Kleinbus zur Hotelanlage chauffierten, ca. 40 Minuten quer durch Orange County. Das Hotel selbst war genauso beeindruckend, wie dessen Homepage es versprochen hatte. Es lag an einem Hang, so dass der Eingang zur Landseite eigentlich im vierten Stock war. Fuhr man vier Etagen mit dem Lift nach unten, gelangte man zum Garten auf der Seeseite. Sehr verwirrend. Das Zimmer selbst war sehr gediegen: Riesiger LCD-Fernseher, Marmorbad, geschmackvolle Mahagoni- und Echtledermöbel. Selbstverständlich lagen Bademantel und Badeschlappen bereit.

Zimmer im St. Regis

Der Nachteil des Luxus: Das bereitstehende Evian-Mineralwasser kostete $6.50 pro Liter, genauso wie das kleine Glas Gummibärchen in der Minibar. Ein Tag auf dem Parkplatz des Hotels schlug mit $30 zu Buche (von der Firma erstattet, wenn man einen Mietwagen hatte), ein Pay-per-view-Film mit $15.
Obwohl es schon fast zehn Uhr abends war, entschloss ich mich, in einem der Hotelrestaurants zum Weinempfang vorbeizuschauen, den der Page erwähnte, als er mich zu meinem Zimmer führte. Dort wollte man mich zuächst nicht hineinlassen, mit dem Hinweis, dass das Restaurant schon geschlossen war, doch zum Glück erkannte mich ein Kollege aus Chicago (vermutlich vom Foto im Mitarbeiterverzeichnis) und holte mich herein. Es war interessant, bei einem Glas Wein ($20 pro Glas, und nichtmal besonders toller) das erste Mal mit den Kollegen aus den anderen Teilen der USA zu reden, die man zuvor nur per E-Mail, Instant Messager oder Telefon kannte. Da auch der Organisator der ganzen Veranstaltung am Tisch saß, erfuhr ich auch gleich die Neuigkeiten: Da es ja stark nach Regen aussah, stand als Alternative zum Segeln ein besonderer Spaß auf dem Programm: Kartfahren. Ich hatte das Gefühl, dass viele plötzlich auf Regen hofften.
Nach einer eher unruhigen und viel zu kurzen Nacht ging es am nächsten Morgen zum gemeinsamen Frühstück. Unser Chef ist dafür berüchtigt, zu solchen Gelegenheiten nur sehr leichte Mahlzeiten zu genehmigen, schließlich soll man in den Meetings frisch und nicht belastet sein. Tatsächlich gab es nur Obst und Cornflakes, und ich hörte viele Beschwerden darüber an diesem Wochenende. O-Ton: “Bitte, nur einmal Rührei oder sowas, ich würde sogar selbst $10 dazubezahlen.”
Das Meeting selbst fand in einem Ballsaal statt, der mit mobilen Trennwänden in drei große Räume aufgeteilt werden konnte, genau wie die Turnhalle in meinem ehemaligen Gymnasium. Die Präsentationen waren angenehm kurz und interessant, mit Ausnahme der des Chefbuchhalter, aber das ist wohl weniger überraschend. Kollektives Frohlocken setzte ein, als die angrenzende Terrasse von Regen überschüttet wurde, und tatsächlich gab die neue Nordamerika-Chefin kurz vor Ende des Meetings das neue Ziel für die Teambuilding-Aktivität bekannt: Eine nagelneue Kartbahn! KartbahnJeder schnappte sich eines der bereitstehenden Lunchpakete, zog sich auf dem Zimmer schnell um und bestieg kurz darauf einen der bereitstehenden Busse. Während wir unsere Lunchpakete verdrückten, wurden wir bereits über die Modalitäten des Rennens aufgeklärt und unterzeichneten diverse Formulare, dass wir die Kartbahn bei etwaig erlittenen Verletzungen nicht verklagen würden.
Um zumindest den Anschein des Teamtrainings zu wahren, wurden wir in neun Mannschaften aufgeteilt, die alle jeweils acht Trainings- und acht Qualifyingrunden fahren sollten. Derjenige mit der besten Rundenzeit aus jeder Mannschaft kommt ins Finale. Ich war erst einmal zuvor Kartfahren, und ich hatte es nicht so spaßig in Erinnerung: Die gerade zwei Tage alten Karts waren elektrisch betrieben und erreichten Höchstgeschwindigkeiten von über 60km/h, allerdings nur theoretisch, denn die Strecke war extrem kurvenreich. Sicher war das Ganze ebenfalls. Es gab einige ziemlich heftige Crashs, die aber höchstens blaue Flecken verursachten. Alle wollten das Rennen danach weiterfahren. Leider war ich in einer sehr starken Gruppe gelandet, so dass ich es nicht ins Finale schaffte. Sogar unser Sechstplatzierter war teilweise schneller als der Gruppenbeste anderer Gruppen. Natürlich holte unsere Gruppe den Titel, so dass wir am Ende des Abends eine alberne Medaille verliehen bekamen, bevor es zurück ins Hotel ging.

Garten des St. Regis

Der Innenhof unseres Hotels.

Das Schöne am Hotel war, dass man einfach ziellos umherwandern konnte, und überall auf Kollegen traf. Eine Gruppe wartete auf das Shuttle zu einem Restaurant, und kurzentschlossen gesellte ich mich dazu. Nach einem guten Thunfischsteak ging es weiter in ein berüchtigtes Diner bzw. Bar. Ich fühlte mich fast wie auf der Reeperbahn, nur dass hier noch dieses gewisse amerikanisch-kalifornische Surffeeling dazukam. Leute in Anzügen, vermutlich direkt vom Maklerbüro kommend, in dem sie spät gearbeitet hatten, tanzten neben Pennern und Studenten. Ein kleiner Mexikaner mit Trenchcoat und Schlapphut schien eine lokale Bekanntheit zu sein, später hörte ich Gerüchte, er sei der örtliche Drogendealer. Auf der hinteren Tanzfläche wurde generische Hip-Hop-Partymusik gespielt, während vor der vorderen Bar eine Band eigene Interpretationen von Perlen der Rockmusik der Achtziger Jahre intonierte: “Boys Don’t Cry” von The Cure, “99 Luftballons” von Nena, “Living on a Prayer” von Bon Jovi usw., aber das klingt schlimmer als es tatsächlich war. Das bemerkenswerte: Die Jungs waren gerademal Anfang zwanzig. Sind die Achtziger die neuen Sechziger?
Wie in fast jeder Bar in Kalifornien gingen auch hier um halb zwei die Lichter an, und wir mussten fast eine halbe Stunde warten, bis sich ein Taxi zu uns verirrte, während auf dem Parkplatz der Sheriff aufpasste, dass niemand besoffen Auto fuhr.

Am nächsten Morgen schlief ich verdientermaßen aus. Ich verschlief zwar das gemeinsame Frühstück, wie mir später versichert wurde, verpasste ich aber nichts: Wieder keine Eier, geschweige denn Speck oder Croissants. Ich etwas auf Entdeckungstour auf dem Hotelgelände, und wieder einmal zeigte sich, dass man einfach überall auf Kollegen traf: Auf dem Weg zum Strand begegnete ich Kollegen aus New York, mit denen ich etwas an der Brandung spazierenging. Viele Surfer in Neoprenanzügen freuten sich über die hohen Wellen, und reich aussehende Anwohner führten ihre Hunde gassi. Der Regen hatte zum Glück aufgehört, und in der Sonne konnte man es tatsächlich im T-Shirt aushalten.


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Nach einem Sandwich in einem nahe gelegenen Deli und einem kleinen Film im Zimmer auf HBO (sowas ähnliches wie Premiere in Deutschland) war es dann auch schon Zeit, mich in Schale zu werfen um beim Champagner-Empfang aufzutauchen. Die Holidayparty fand neben dem angrenzenden botanischen Garten statt, wo ein kleines Clubhaus mit überdachter Terrasse, Kamin, zwei Bars und Meerblick auf uns wartete. Neben dem Clubhaus war ein Zelt aufgebaut, wo die Tische für unser Abendessen bereitstanden. Die Tische waren zugeteilt, und zwar so, dass die verschiedenen Standorte möglichst gemischt wurden. Ich saß somit mit dem General Manager von Hongkong, China und Taiwan, sowie Kolleginnen aus Kanada, Miami und New York an einem Tisch, jeweils mit Begleitung. Das modern-französische Fünf-Gänge-Menü war exquisit und vor allem in der Hinsicht, dass über 100 Essen zeitgleich serviert wurden, eine gute Leistung. Vor und nach dem Hauptgang wurde in zwei Teilen das Video gezeigt, dass aus Beiträgen aller Standorte zusammengeschnitten wurde. Ich war überrascht, wie gelungen und lustig es ausgefallen ist, sehr unterhaltsam sogar für die Nichtmitarbeiter, an denen ja die ganzen Insider-Witze vorbeigingen.

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Ein häufig aufgegriffenes Prinzip war das der Pseudo-Dokumentation, so ähnlich wie “Stromberg” oder “The Office”, wie z.B. im Chicago-Video, dass einem Mitarbeiter an seinem ersten Tag begleitet, wobei alle älteren Mitarbeiter in Tierkostümen verkleidet sind.
Im Anschluss des Essen ging es weiter mit Musik, Tanz und Trunk im Clubhaus. Als wiederum um halb zwei die Lichter angingen, teilte der sichtlich angeheiterte General Manager von Singapur, Australien und Japan, ein echt cooler Typ übrigens, jedem noch anwesenden seine Zimmernummer mit, mit dem Hinweis, dass dort die Party weitergehen würde. Ich folgte der Menge, doch kaum hatte ich das Zimmer betreten, merkte ich, dass es doch besser an der Zeit wäre, ins Bett zu gehen. Nach einer kurzen Suche (sein Zimmer lag im Südflügel, meins im Nordflügel) war ich froh, den Anzug ausziehen und ins Bett zu fallen zu können.
Am nächsten Morgen waren immer noch viele Kollegen im Hotel anzutreffen, die meisten mit Sonnenbrillen im Gesicht und Wasserflaschen am Mund. Das Chicago-Office hatte Pech: Ihr Flug wurde gecancelt. Das hieß, dass sie noch eine Nacht im Hotel bleiben “mussten”. Also eher Glück? Wir verbrachten den Vormittag einfach damit, es uns auf der Terrasse des Hotels mit Blick auf den Innenhof und den Pazifik gemütlich zu machen. Etwas verwirrend war, in dieser eher von Palmen und Sonnenschein geprägten Umgebung auf geschmückte Weihnachtsbäume, Weihnachtslieder singende A-Capella-Gruppen und sogar den Weihnachtsmann persönlich zu treffen.
Nach einem eher unruhigen Flug im kleinsten Jet, in dem ich je saß (zwei Sitze rechts vom Gang, ein einzelner links), kam ich etwas mitgenommen, aber glücklich wieder in San Jose an.
Der Regen hatte aufgehört.

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Thanksgiving und Automacken

Thanksgiving ist ja das Fest hier in den Staaten, größer noch als Weihnachten. Mein Arbeitgeber gewährt z.B. zwei Feiertage für Thanksgiving, aber nur einen für Weihnachten. Im Supermarkt gibt es kein Entkommen, vor allem Truthähne und Zubehör für deren Zubereitung werden angepriesen. Im Fernsehen wird schon Wochen vorher darüber berichtet, wie katastrophal die Reisebedingungen sein werden, weil jeder nach Hause zu seiner Familie will (man stelle sich vor, die Sommerferien in Deutschland werden auf ein Wochenende konzentriert). Der Präsident persönlich gibt Militärluftraum für den Passagierverkehr frei, um Verspätungen im Flugverkehr zu reduzieren. Die Benzinpreise steigen unerklärlicherweise stark an, und es wird schwieriger, am Supermarkt einen Parkplatz zu finden.
Für mich war es aber einfach ein langes, eher langweiliges Wochenende. Langweilig, weil meine Freunde hier weggefahren sind, nach Deutschland bzw. Texas. Zum Glück war das Wetter aber ganz nett, so dass mich auf dem Balkon sonnen konnte, in Shorts und ohne T-Shirt, und das Ende November!

Am Thanksgiving-Freitag ist traditionell so eine Art Schlussverkauf, der sogenannte “Black Friday”. Die Läden öffnen teilweise um Mitternacht, und Leute stehen extrem früh auf, um sich mit anderen Leuten im Laden um die besten Schnäppchen zu kloppen. So ungefähr wie früher in Deutschland am ersten Tag des SSV oder WSV. Ich habe beschlossen, mich der Anti-Konsum-Bewegung anzuschließen und diesen Tag als “Buy-Nothing-Day” (“Kaufe-Nichts-Tag”, http://adbusters.org/metas/eco/bnd/) zu feiern und bin mal wieder den Highway 1 runtergefahren, bis kurz hinter Monterey.

Das graue Dings auf dem Hügel über der Brücke auf dem Foto oben ist übrigens ein Haus, das ringsherum Glaswände hat. Ob es mit rechten Dingen zugeging, als die Baugenehmigung dafür erteilt wurde?
Carmel und Monterey sind wirklich hübsche kleine Städtchen, äußerst beliebt bei Rentnern, die dort im angenehmen Klima ihren Lebensabend verbringen wollen. Lustig war, als ich umdrehen wollte, und mein Navi meinte, ich sollte erstmal noch fast 100 Meilen weiter nach Süden fahren, weil es keine geeignete Wendemöglichkeit fand. Auf diesem Trip stellte ich übrigens einen neuen Verbrauchsrekord auf mit meinem Chrysler, nämlich 9 Liter pro 100km. Normalerweise verbraucht er um die 11 Liter. Zum Glück ist das Benzin so günstig hier.

Ich hatte ja erwartet, dass bei einem Auto in dem Alter so langsam die ersten Macken kommen, und tatsächlich ließen diese nicht lange auf sich warten. Aber zum Glück gibt es ja das Internet und diverse Diskussionsforen für jeden Autotyp, so dass man sich bequem im Wohnzimmer Hilfe aus aller Welt holen kann.

Macke Nummer 1: Die Tankanzeige fing an zu spinnen. An Ampeln fiel sie plötzlich auf Null und die Warnleuchte signalisierte einen leeren Tank, kurz darauf stieg sie aber wieder auf den normalen Level. Zum Glück passierte das nur, wenn der Tank mehr als halb voll war, so dass ich nicht Gefahr lief, mit leerem Tank irgendwo liegenzubleiben. Kurz im Internet gesucht: Der Sensor ist empfindlich gegen gewisse Stoffe im Benzin, z.B. Schwefel, und vor Jahren gab es mal einen Fall, wo Shell zugab, mit Schwefel versetztes Benzin verkauft zu haben. Interessanterweise trat das Problem genau dann auf, als ich das erste Mal hier bei Shell getankt habe. Zufall? Möglicherweise. Als Lösung wurde im Forum ein Additiv vorgeschlagen, nämlich “Techron” von Chevron (ehemals bzw. die Mutterfirma von Texaco). Das soll den Sensor irgendwie schützen. Also eine Flasche für 9 Dollar gekauft und in den Tank geschüttet, und voila, das Problem war weg. Zumindest bis zur nächsten Tankfüllung, denn dann fing die Nadel wieder an zu tanzen. Nach ein paar Wochen wiederholte ich die Prozedur, denn sie schien ja immerhin etwas gebracht zu haben, und seitdem ist das Problem gelöst. Ich klopfe mal auf Holz.

Macke Nummer 2: Stottern im Leerlauf und Zögern beim Beschleunigen, komischerweise nur bei warmgelaufenen Motor. Das Problem scheinen sehr viele Besitzer von älteren Sebring Cabrios zu haben, und im schlimmsten Stadium geht der Motor einfach aus. Besonders nett auf der Autobahn, da man gleichzeitig Servolenkung und Bremskraftverstärker verliert. Nach einiger Zeit des Abkühlens lässt sich der Wagen dann ganz einfach wieder starten, bis er nach dem Warmlaufen wieder ausgeht. Soweit ist es aber bei mir noch nicht gekommen, die Symptome wirken noch sehr harmlos. Nach langem Lesen im Forum habe ich am Sonntag die erste Maßnahme getroffen, nämlich das Kurbelgehäuseentlüftungsventil getauscht. Klingt kompliziert, dauert aber nur ein paar Sekunden und kostet ca. vier Dollar. Seitdem ist es gefühlt besser geworden, aber noch nicht ganz verschwunden. Weitere geplante Maßnahmen: Ausspülen der Ventile und des Kurbelgehäuses mit reinem Petroleum zum Entfernen von Kohleablagerungen (es gibt da ein Produkt namens “Seafoam”) und der Austausch der Zündkerzen und -kabel. Letzteres lasse ich aber wohl lieber in der Werkstatt machen, denn für die hinteren drei Zündkerzen muss man ziemlich viel ausbauen. Hier scheiden sich die Geister: Im Handbuch steht, man solle dies alle 60.000 Meilen tun (mein ‘Bring hat jetzt fast 82.000), die Leute im Forum sprechen aber von 105.000 Meilen, zusammen mit dem Zahnriemen. Schaden kann es wohl nicht.
Wer weiß, vielleicht werde ich noch zum Autoschrauber!

Morgen fliege ich bereits schon nach Santa Ana zur Weihnachtsfeier! Die guten Neuigkeiten: Am Freitag haben wir im Gegensatz zum letzten Jahr nur am Vormittag Meetings, und statt des teambildenden Planspiels (à la “Euer Flugzeug ist abgestürzt, wie meistert ihr die Situation”) gibt es einen Segelnachmittag. Es wurden wohl 15 Boote gechartert, auf denen wir echtes Teamwork lernen sollen.
Die schlechte Nachricht: Der Wetterbericht spricht von 13 Grad und 80% Regenwahrscheinlichkeit, ein echte Sauerei! Vor allem, weil die Holidayparty am Samstag größtenteils im Freien stattfinden soll. Ich hoffe, ich finde meine Regenjacke noch.

Kleine Fastfood-Kunde

Im Geburtsland der Fast-Food-Kette kommt man natürlich nicht drumherum, öfter mal diesem kulinarischem Hochgenuss ausgesetzt zu sein. Im Vergleich zu Deutschland sind die Optionen aber etwas zahlreicher, zumindest was die Ketten angeht. Deswegen hier mal eine kleine Übersicht über die lokalen Etablissements:

Mc Donalds: Der Inbegriff des Fast Food. Vom Angebot her kaum ein Unterschied zu Deutschland, nur dass das Salatdressing von Paul Newman geliefert wird (ja richtig, dem Schauspieler), und das ist wirklich gut. Mein Tipp: Das asiatische Ingwer-Sesam-Dressing. Ansonsten sind die Burger genau so blass und gleichmäßig durchgebraten wie in Deutschland.

Burger King: Komischerweise war ich hier noch in keinem Burger King, wenn ich mich recht entsinne. Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich in Deutschland in letzter Zeit schlechte Erfahrungen mit der Frische des Brötchens gesammelt hatte, die waren nämlich teilweise regelrecht altbacken.

Subway: Ebenfalls bekannt in Deutschland, ebenfalls keine nennenswerten Unterschiede. Vermutlich die gesündeste Option unter allen genannten Ketten, vorausgesetzt, man wählt das richtige Sandwich. Allerdings auch vergleichsweise teuer.

Jack in the Box: Von den Einheimischen liebevoll “Jack in the Crack” genannt, sind diese kleinen Hütten an fast jeder Straßenecke zu finden, und meistens 24 Stunden am Tag geöffnet. Als neuester Marketinggag wird Frühstück rund um die Uhr serviert. Die Preise sind sehr günstig, und das Angebot offenbar aus den erfolgreichsten Komponenten der Konkurrenz zusammengestellt. Das Flaggschiff, der “Sirloin Burger”, bietet zwar wirklich gutes Fleisch, aber das Brötchen ist merkwürdig gelblich und süß. Alles hat irgendwie den gleichen Geschmack nach ranzigem Fett, und anschließend fühlt man sich, als hätte man einen japanischen Zen-Garten verdrückt. Meiner Meinung nach die ungesündeste Option. Nur für den Notfall.

Carl’s Jr.: Wirbt damit, nur echtes “Angus Beef” zu verarbeiten, was Konkurrent Jack in the Box in einem Fernsehspot auf die Schippe nahm, indem er andeutete, von welchem Teil des Rinds dieses Angus-Fleisch stammt (man streiche das “g”…). Jetzt streiten sich die Kontrahenten vor Gericht, da Jack in the Box angeblich dadurch den Eindruck erweckte, das Fleisch sei von minderer Qualität. Abseits dieses Scharmützels ist das Vorzeigeobjekt von Carl’s Jr., der “Six Dollar Burger” wirklich empfehlenswert: Das Fleisch ist scharf angebraten, hat eine leichte Kruste und ist innen saftig. Er ist in mehreren Varianten erhältlich (mein Favorit: Guacamole-Bacon) und reichhaltig mit Salat und Tomaten belegt, wobei letztere aber extrem holländisch (sprich: nach gar nichts) schmecken. Der Nachteil: Der Burger ist so groß und unhandlich, dass er kaum unfallfrei zu essen ist. Zum Glück stehen Spender mit Papiertaschentüchern auf jedem Tisch, was auch wirklich nötig ist. Der Burger ist extrem sättigend, so dass die $7-8 für das Menü wirklich gut angelegt sind.

Taco Bell: Ich bin kein großer Fan des mexikanischen Fast Foods, so dass ich hier eher selten Gast bin. Am ehesten kann ich mich für den Burrito begeistern, eine Art mexikanischer Döner. Das Burrito-Menü bei Taco Bell kommt statt Pommes mit Nachos und Käsesauce, und der Inhalt des Burrito selbst besteht fast nur aus Bohnen, Reis und Fleisch. Die frischen Komponenten, also Tomatenwürfel und Koriander, sind fast gar nicht zu finden. Außerdem sind die Portionen so klein, dass man fast zwei Menüs braucht, um satt zu werden. Mein Tipp: Lieber zum kleinen mexikanischen Imbiss nebenan gehen.

Kentucky Fried Chicken: Auch hier esse ich eher selten, da mich paniertes Hähnchen nicht wirklich in Begeisterungsstürme ausbrechen lässt. Statt Pommes gibt’s hier Kartoffel- oder Maisbrei, das war mir vorher noch nie aufgefallen. Wenn es mich doch mal zu KFC verschlägt, nehme ich ein “Grilled Chicken Sandwich” (gegrillte, unpanierte Hähnchenbrust mit Salat, Tomate und einer Art Pfeffersauce, sehr lecker!) und einen “Chicken Barbecue Snacker” (kleines Brötchen mit ausgelösten Hähnchenfetzen, in rauchiger Barbecuesauce getränkt).

In-N-Out Burger: Momentan der absolute Renner hier in der Gegend. Wenn wir dort mittags hingehen wollen, müssen wir früh losziehen, denn ab 12 Uhr findet man keinen Parkplatz, geschweige denn einen Sitzplatz mehr, und der Drive-Thru ist so verstopft, dass Angestellte auf der Straße Bestellungen entgegennehmen (okay, das kann auch damit zusammenhängen, dass “unser” In-N-Out in der Nähe einer High School liegt). Das Menü ist absolut minimalistisch: Hamburger, Cheeseburger, Pommes. Das war’s. Ach ja, man kann noch entscheiden, ob man frische oder geröstete Zwiebel auf dem Burger haben möchte. Außerdem soll es einige “Geheimcodes” geben, mit denen man seine Bestellung noch etwas individueller gestalten kann. Der Clou an der ganzen Geschichte: Die Rohstoffe werden täglich frisch geliefert. Also keine fertigen, tiefgekühlten Pattys oder Pommes, sondern echte, frische Kartoffeln! Die werden dann vor den Augen der Kunden zerkleinert und frittiert. Und das ganze schmeckt auch noch gut und ist relativ günstig. Einziger Nachteil: Die Mitarbeiter werden offenbar dazu gezwungen, alberne weiße Schürzen und Kappen zu tragen…

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