Im Steuerlabyrinth

Die Deutschen behaupten ja immer mit verquerem Stolz, das komplizierteste Steuerrecht der Welt zu haben. Umso erstaunter war ich, als hier in den USA jemand das gleiche über sein Land behauptete. Da ich heute in der Firma meine Jahresabrechnung erhielt, machte ich mich daran, den Wahrheitsgehalt zu überprüfen.

Der erste Punkt ging gleich an die USA: Wenn man das zweifelhafte Glück hat, in einem Staat wie Kalifornien zu wohnen, der eine eigene Einkommensteuer erhebt, muss man schon mal zwei Steuererklärungen abgeben, nämlich eine für “federal taxes”, also bundesweite Steuern, und eine für die “state taxes”. Die kalifornische Einkommensteuer ist in sechs Steuersätze aufgeteilt, wobei der Spitzensteuersatz von 9,3% ab einem Jahresgehalt von $40346 fällig ist. Die Formulare sehen komplizierter aus als die von den Kollegen von Bund, aber zum Glück gibt es eine sehr gute Möglichkeit, das online auszufüllen. Auf ca. sechs einfachen Seiten überträgt man die Daten von seiner Lohnsteuerkarte und setzt diverse Häkchen z.B. bei “Am 31.12.2007 war ich offiziell blind” oder “Ich möchte meine Steuererstattung der Kalifornischen Meerotter-Stiftung spenden”. Am Schluss druckt man vier Seiten aus, die man unterschreibt und zu seinen Akten legt, und zwei Wochen später wird eine etwaige Rückerstattung auf ein angebenes Konto überwiesen (oder eben den Meerottern oder der Feuerwehr gespendet). Da von mir Steuern einbehalten wurden, als hätte ich das ganze Jahr gearbeitet, ich tatsächlich aber nur viereinhalb Monate hier war, wird mir der kalifornische Schatzmeister demnächst hoffentlich fast $1600 auf mein Sparbuch einzahlen.
Einwohner von Kalifornien im steuerlichen Sinn und somit hier steuerpflichtig wird man ziemlich leicht, nämlich indem man

  • nicht nur temporär oder auf der Durchreise hier ist
  • oder hier seinen Wohnsitz hat und nur temporär woanders ist.

“Wohnsitz” ist dabei definiert als der Ort, an den man beabsichtigt zurückzukehren, wenn man abwesend ist. Genial! Dies wird im erläuternden Begleitheft als große Vereinfachung angepriesen, so einfach, dass das Konzept in sieben Beispielen verdeutlicht wird.

Ob man als Einwohner, also “resident” gilt, ist für die bundesweite Steuer immens wichtig. So können Nicht-Einwohner z.B. keine Beiträge zur Altersvorsorge (bzw. nur wenn sie sehr wenig verdienen), keinen Pauschbetrag und keine Ehefrau absetzen. Andererseits müssen sie dafür aber aber auch z.B. keine Zinserträge oder ausländische Einkünfte versteuern. Ob man als Nicht-US-Bürger als Einwohner gilt, ist wiederum anders definiert als von den kalifornischen Behörden: Man muss entweder eine Green Card besitzen, oder 183 Tage im Kalenderjahr in den USA gewesen sein, wobei ein Drittel dieser Tage vom Vorjahr und ein Sechstel vom Jahr davor hinzugerechnet werden. Der steuerliche Unterschied ist deutlich: Als Nicht-Einwohner würde ich knapp $3200 erstattet bekommen, als Einwohner $3700, nämlich wegen des höheren Pauschbetrags und weil ich schon einiges in die Altersvorsorge (”401(k)”) eingezahlt habe, um den vollen Arbeitgeberzuschuss mitzunehmen.

Also: Wie kann ich trotzdem als Einwohner gelten, obwohl ich im Jahr 2007 nur 135 Tage in den USA war? Dazu gibt es tatsächlich einen kleinen Winkelzug: Wenn man im Folgejahr den Präsenztest besteht (diese 183 Tage), kann man rückwirkend für einen Teil des Jahres als Einwohner betrachtet werden. Man darf aber erst dann die Steuererklärung einreichen, wenn man diesen Status erlangt hat. Man gilt dann ab dem Beginn des ersten, mindestens 31 Tage langen Aufenthalts in den USA als “resident”. Kleiner Nachteil: Man muss alle Einkünfte aus dem Ausland in den USA versteuern, die man ab diesem Zeitpunkt erhielt, auch wenn sie vorher verdient wurden. Da ich aber eine relativ saubere Trennung hatte und nach meinem Umzug keine Zahlungen aus Deutschland mehr erhielt, betrifft mich das nicht.

Um also $500 mehr vom IRS zu kassieren, muss ich eine Fristverlängerung beantragen und ab dem 138. Tag des Jahres 2008 meine Steuererklärung einreichen. Also alles ganz einfach eigentlich…

 Nachtrag: Nachdem ich mir alles noch einmal ganz genau durchgelesen habe, bin ich zu dem Schluss gekommen, dass ich mir die Aktion mit der Verlängerung sparen kann. Die $500 Unterschied kommen allein durch den Pauschbetrag (”standard deduction”) zustande, den man auch als “dual status resident” nicht beanspruchen darf. Die Beiträge zur Altersvorsorge sind bereits auf der Lohnsteuerkarte abgezogen. Wenn ich allerdings verheiratet wäre, würde sich dieser Trick durchaus lohnen.

Möbel endlich eingetroffen

Heute war es tatsächlich soweit: Nach vielen Wochen (zwölf?) des Wartens wurde endlich mein Umzugsgut aus Deutschland geliefert.

Zwischen acht und zehn Uhr morgens sollte der Truck aus Südkalifornien eintreffen, und pünktlich um 8:20 Uhr stand er vor den Toren des Avalon Silicon Valley. Drei nette Mexikaner schleppten den ganzen Krempel in gut 80 Minuten in mein Apartment. Mir graut schon davor, im nächsten Sommer höchstwahrscheinlich wieder umzuziehen: Von der Wohnungstür bis zur nächsten Parkmöglichkeit für einen LKW sind es gut 120 Meter. Über die Tiefgarage ist es sehr viel kürzer, die Einfahrt ist allerdings nur gut zwei Meter hoch.

Als mein Zeug so langsam meine Wohnung füllte, wich die Freude allerdings immer mehr der Ernüchterung: Den meisten Kram hätte ich wirklich nicht vermisst. Die Dinge, die ich wirklich gebrauchen kann und auf die ich mich gefreut hatte, kann ich an zwei Händen abzählen. Jetzt muss ich mir wirklich gut überlegen, was ich mit so manchen Sachen machen werde. Gerade das fehlende Arbeitszimmer macht sich bemerkbar, dort konnte ich so manchen unnützen Krempel verstecken: Alte Computerspiele, Sammelkarten usw.

Ich denke, ich werde noch ein paar Sachen bei ebay verkaufen. Bücher und CDs kann man problemlos der Bücherei spenden. Außerdem gibt es sogenannte “Thrift Stores”, denen man Zeug schenken kann, das man nicht mehr braucht, und die dieses dann für wohltätige Zwecke weiterverkaufen. Auf dass der nächste Umzug noch ein Stück leichter wird…

Erste Zwischenbilanz

Da ich jetzt ziemlich genau einen Monat hier bin, wird es Zeit für das erste Resümee:
Ich hatte damit gerechnet, dass die ersten Tage hart werden, aber es war wirklich schlimmer als erwartet. Am liebsten wäre ich direkt in den nächsten Flieger nach Deutschland gestiegen, und ständig diese Frage: Warum mache ich das eigentlich, ich hätte doch ganz einfach dableiben können und alles wäre gut? Nachdem aber nach und nach alle Hürden überwunden wurden, kann ich im Moment nur sagen: Ich habe alles richtig gemacht. Alle Bedenken haben sich zerstreut, alles ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auch die negativen Seiten, aber mit denen kann ich leben.

Es gibt nur wenige Dinge, die ich im Nachhinein (wenn ich das jetzt schon beurteilen kann) anders machen würde. Erstens: Ich hätte mir erst einmal für einen Monat ein möbliertes Apartment nehmen sollen, auch wenn es teurer ist, um in Ruhe nach einer Wohnung zu suchen. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich diese hier nicht genommen, wenn sie nicht sofort verfügbar gewesen wäre, das war ein sehr großes Argument. Andere, günstigere und besser gelegene Apartments wären auch okay gewesen, aber erst Wochen später verfügbar, und ich wollte sofort aus dem Hotel, das hat die Optionen stark eingeschränkt. Aber jetzt habe ich erst einmal zehn Monate Zeit, mir zu überlegen, wo meine nächste Wohnung sein wird. Vielleicht bleibe ich auch hier? Immerhin hat dieser Apartmentkomplex Platz zwei bei den Luxusapartments im Silicon Valley bei der Leserwertung im “Wave Magazine”, dem kostenlosen Stadtmagazin von San Jose und Umgebung gewonnen. Im gleichen Magazin entdeckte ich auch einen 15%-Coupon für das Sportgeschäft, in dem ich buchstäblich einen Tag vorher neue Laufschuhe gekauft hatte. Grr.
Ein weiterer Fehler: Ich nahm an, dass wie in Deutschland bei den Bettengrößen nur die Breite variiert, und holte mir ein “Full size”-Bett mit ca. 140cm Breite. Leider ist das nur 189cm lang, was bei 183cm Körpergröße schon etwas knapp bemessen ist. Die nächste Größe, “Queen size”, ist bei 160cm Breite immerhin 202cm lang. Ideal wäre gewesen “California queen size” (gibt’s leider nicht bei Ikea) mit großzügigen 153×213cm. Hinterher ist man immer schlauer. Mal schauen, ob es eine Gelegenheit für ein Upgrade gibt. Vielleicht beim nächsten Umzug?

Bis auf die Miete sind die Lebenshaltungskosten eigentlich nicht viel anders als in Deutschland, vieles ist sogar günstiger. Für meine Teilkasko zahle ich $50 pro Monat, und neulich kam die erste Stromrechnung: $5.48 für 14 Tage! Anders als in Deutschland wird hier monatlich der Verbrauch zentral abgelesen und abgerechnet. Die Kilowattstunde kostet $0.114, und das beim Monopolisten PG&E. In Deutschland ist selbst Billigstrom doppelt so teuer! Und eine Grundgebühr scheint es auch nicht zu geben. Nur eine Kaution musste ich hinterlegen, wegen meiner fehlenden Credit history. Das scheint einen hier überall zu verfolgen.

Allerdings gibt es auch hier einen Fortschritt zu verzeichnen: Bei einer der Agenturen bin ich mittlerweile im System, keine Ahnung wodurch. Vielleicht wird einiges einfacher dadurch.
Das einzige, was außer Miete teurer ist: Lebensmittel, weil es keine kleinen Discounter wie in Deutschland gibt. Dafür sind die Waren dann auch von entsprechender Qualität. Das Obst ist unglaublich gut! Bevor das Silicon Valley von Computerfirmen überrannt wurde, war es nämlich eines der Obstanbauzentren der USA, und das merkt man heute noch. Ebenfalls unverschämt teuer: Süßstoff und Toilettenpapier. Warum? Keine Ahnung. Was mir außerdem im Supermarkt auffällt: Abgepackte Wurst ist unglaublich lang haltbar, im Moment bis Dezember. Offenbar wird das mit den Konservierungsmitteln hier nicht so eng gesehen?

Der Konsumterror ist auch etwas stärker ausgeprägt. Während man in Deutschland “nur” vor Weihnachten, Ostern, Muttertag, Valentinstag malträtiert wird, scheint es hier alle zwei Wochen einen neuen Grund für Verkaufsoffensiven zu geben. Letzte Woche war es “Back to school”, das Ende der großen Sommerferien, und jetzt steht alles voller Kürbisse und alberner Accessoires für Halloween. Als nächstes müsste dann eigentlich Thanksgiving dran sein… Zum Glück habe ich (noch?) keinen Fernseher, aber schon die Radiowerbung nervt gewaltig.
Morgen geht es mit meinem Kollegen, dessen Kumpel, einer Freundin und den Au-Pairs zum “Oktoberfest” im Tourist Club Mill Valley. Der Ort nördlich von San Francisco, wo ich vorletztes Wochenende war. Der Tourist Club ist offenbar ein nicht so geheimer Geheimtipp, eine Art Berghütte, die man nur nach einem mehrere Kilometer langen Fußmarsch erreicht. Ich bin gespannt.

Express-Autokauf

Am Freitag war ja endlich der erste Zahltag, und ich erwartete eine großzügige Entlohnung. Zusammen mit etwas Geld, das ich aus Deutschland überwiesen hatte, würde es sicher für ein nettes Auto reichen. Überraschung Nummer 1: Statt Überweisung (”direct deposit”) wurde mir ein Scheck in die Hand gedrückt, weil die Kontoverbindung so erst bestätigt werden müsse. Komisch nur, dass der Vorschuss bereits per direct deposit überwiesen wurde?
Also bin ich in der Mittagspause sofort zur Bank schräg über die Kreuzung, um den Scheck einzulösen. Überraschung Nummer 2: Nur $100 von dem Betrag sind sofort verfügbar, der Rest wird sieben Arbeitstage gesperrt, weil ich ein Neukunde bin. Offenbar eine Vorsichtsmaßnahme gegen Scheckbetrug. Wegen des Feiertags und zwei Wochenenden dazwischen hieß das, ich müsste fast zwei Wochen warten, bis ich über das Geld verfügen könnte. Noch zwei Wochen Busfahren? No way. Ich rechnete schnell aus, was ich abzüglich der fälligen Miete noch zur Verfügung hatte und schaute bei Craig’s List, der Anzeigenbörse im Internet, nach passenden Angeboten. Gleich die erste Anzeige war genau das, was ich gesucht hatte.

Ich rief sofort an, und es meldete sich ein Inder, der gerade an die East Bay gezogen ist und sich wegen des weiten Weges ein Hybridauto gekauft hat, und sein altes Auto jetzt loswerden wollte. Direkt nach der Arbeit setzte ich mich in den Zug, um ihn bei seiner Arbeitsstelle zu treffen und mir das Auto anzuschauen. Es fuhr gut, alle elektronischen Spielereien funktionierten, er hatte gerade die Bremsen neu machen lassen, auch die Batterie und die Reifen waren weniger als ein Jahr alt. Für Baujahr 2000 war er mit knapp 78.000 Meilen für amerikanische Verhältnisse auch recht wenig gelaufen. Der Haken: Das Äußere war ziemlich lädiert. Keine großen Schäden, aber viele kleinere Dellen, an ein paar tiefere Kratzer und Steinschläge, nichts, was man aus mehr als zwei Metern Entfernung sehen könnte. Ich sagte ihm, ich werde seine Angaben prüfen und er solle mich am nächsten Tag anrufen.

Dazu gibt es nämlich eine ziemlich geniale Sache hier in den Staaten: Für ein paar Dollar Gebühren gibt man die Fahrgestellnummer bei einer Internetseite ein und erhält einen kompletten Lebenslauf des Autos. Eingetragen sind Dinge wie Besitzerwechsel und die jeweilige Laufleistung, etwaige Unfälle, Versicherungsfälle, sogar Servicechecks sind vermerkt. Die Angaben des Inders stimmten, nur hatte er verschwiegen, dass das Auto als Mietwagen verwendet wurde, bevor es von ihm auf einer Auktion gekauft wurde. Mit Mietwagen wird ja in der Regel nicht so pfleglich umgegangen, aber andererseits hat er ihn jetzt seit sieben Jahren gefahren und keine größeren Probleme gehabt.

Am nächsten Morgen rief er an und wir verabredeten, dass er mich abholen solle. In meiner Erinnerung sind die Beulen und Kratzer riesengroß geworden, und ich war erleichtert, als ich das Auto wieder erblickte und die Schäden wirklich nur kosmetischer Natur waren.

Als wir dann den Abgastest machten (obligatorisch beim Besitzerwechsel), gab es eine weitere Überraschung: Der mexikanische Tester erklärte uns, er könne keine Verbindung zum Bordcomputer herstellen und somit den Test nicht durchführen. Wir mögen doch zum Händler fahren, der das Problem mit seinem Diagnosegerät überprüfen solle, oder bei einer anderen Station unser Glück versuchen.

Ziemlich perplex sind wir zur nächsten Station gefahren. Während wir darauf warteten, an die Reihe zu kommen, rief Navin (so der Name des Verkäufers) den nächstgelegenen Händler an, ob die Serviceabteilung am Samstag geöffnet sei, und ich versuchte ihm anschließen beizubringen, dass falls wirklich der Bordcomputer defekt sei, ich mich nach einem anderen Auto umsehen werde. Diesmal funktionierte der Test allerdings problemlos. Die wahrscheinlichste Erklärung: Das Auto war von Navin damals nachträglich mit einer Diebstahlsicherung ausgerüstet worden, die eine Minute nach Stoppen des Motors die komplette Bordelektronik totmacht, so dass das Auto nicht gestartet werden kann. Vermutlich ist auf dem ersten Prüfstand diese Minute vergangen, und der Tester hat die Diebstahlsicherung nicht deaktiviert, und ohne Strom gibt es logischerweise auch keine Verbindung zum Bordcomputer. Der zweite Tester war offenbar schlau genug, die Diebstahlsicherung wieder auszuschalten. Die zweitwahrscheinlichste Erklärung: Das erste Testgerät war einfach defekt.

Jetzt hatten wir ziemlich viel Zeit verloren, und die Banken schließen am Samstag bereits um ein Uhr. Auf den letzten Drücker klappte es noch: Ich war buchstäblich der letzte Kunde, der noch hineingelassen wurde. Trotzdem musste ich 20 Minuten in der Schlange warten, weil ja am Freitag Zahltag war und am Montag die Banken wegen Labor Day geschlossen sind. Ich holte mir einen “bank check”, der auf eine bestimmte Person ausgestellt wird und dessen Summe garantiert ist, für beide Parteien eine sichere Sache also, und tauschte diesen Scheck gegen das Auto. Seit Samstag, 14 Uhr war ich wieder Autofahrer! Aber jetzt endlich ein paar Fotos:


Es handelt sich um einen Chrysler Sebring JX, das Basismodell, das aber trotzdem mit ein paar Annehmlichkeiten wie Klimaanlage, Tempomat, elektrischem Verdeck, Zentralverriegelung usw. aufwarten kann. Das Radio schluckt noch Kassetten, das muss ich also demnächst austauschen. Soweit bin ich wirklich zufrieden mit dem Auto. Erstaunlich, was man hier für $5.000 bekommen kann!

Heute ging es auch gleich damit zum Strand. Diesmal zum Stinson Beach nördlich von San Francisco, mit meinem Kollegen und einer Bekannten von ihm, um dort einen weiteren Bekannten und zwei deutsche Au pairs zu treffen.

Die beiden Mädels hatten dort einen der Lifeguards kennengelernt, die Baywatch-mäßig auf so einem Turm rumlungerten. Dieser hatte ein Jahr in München studiert, konnte wirklicht gut deutsch und wollte jetzt Philosophie studieren (echt wahr!).

Anschließend ging es noch mexikanisch essen, übrigens nur wenige Meilen von dem Ort entfernt, wo einst Andre Agassi und Steffi Graf residierten (das Haus steht jetzt für wenige Millionen Dollar zum Verkauf) und noch etwas Billard spielen, wo ein kleiner Möchtegern-Gangster offenbar unter Drogen stehend etwas Ärger machte, was bis jetzt allerdings das einzige negative Erlebnis in dieser Hinsicht hier war.

Morgen früh muss ich als erstes zur Zulassungsstelle, um den KFZ-Brief auf mich umschreiben zu lassen. Die Tage werden bestimmt schön beginnen, wenn man mit offenem Verdeck zur Arbeit cruisen kann!

Führerscheinprüfung

“It’s been a while, huh?” Der asiatische Beamte bei der Zulassungsstelle war etwas erstaunt, dass jemand seinen seit drei Jahren abgelaufenen Führerschein erneuern lassen wollte.
Ich war in aller Herrgottsfrühe um 8 Uhr beim DMV aufgeschlagen, und trotzdem war ich Nummer 38 in der Schlange. Der Herr am Empfang hatte mich schon darauf eingestimmt, dass ich vermutlich einen schriftlichen Test ablegen müsse, also habe ich während des Wartens wild das kleine Büchlein mit den Verkehrsregeln durchgeblättert und zwischendurch schnell nach einem Geldautomaten gesucht, weil ich dummerweise zu wenig Bargeld dabeihatte. Jetzt versuchte der Asiate, seinen Kartenleser dazu zu bringen, meine deutsche EC-Karte zu akzeptieren, natürlich ohne Erfolg. Kreditkarte? No. Check? Yes, of course! So altmodisch Schecks auch sein mögen, manchmal sind sie wirklich praktisch. Also den Scheck über 27 Dollar ausgestellt, kurz in die Schlange gestellt, die Fragen nach Kontaktlinsen oder Brille verneint, Foto gemacht und den Fragebogen in Empfang genommen. Im Gegensatz zu Fahranfängern, die 36 Fragen beantworten müssen und dabei sechs Fehler machen dürfen, muss man beim Erneuern des Führerscheins nur 18 Fragen beantworten, es werden einem aber nur drei falsche Antworten verziehen.
Der Testbereich war einfach eine etwas abgetrennte Ecke in der Schalterhalle, mit Stehtresen, an dem man seinen Test ausfüllt, ohne großartige Aufsicht. Ein Schild wies darauf hin, dass Mobiltelefone und Spicken verboten ist. Als das Telefon einer der Prüflinge klingelte, schlurfte ein älterer Herr in komischer Uniform herbei und bat, das Telefon doch bitte abzuschalten.
Absolut unvorbereitet war dieser Test gar nicht so einfach. Mindestens bei einer Frage aber hatte mir die Blitz-Lernerei beim Schlangestehen geholfen: Wenn man bergauf parkt, in welche Richtung soll man dann die Räder einschlagen? Weg vom Bordstein, natürlich.
Bei zwei Fragen war ich unsicher, diese ließ ich zunächst offen. Nach etwa zehn Minuten (Zeitlimit gab es übrigens keines) stellte ich mich in eine andere Schlange, um meinen Test korrigieren zu lassen. Mit einem orangen Filzstift markierte die Frau die falschen Antworten. Eine, zwei, drei.. vier. Ich fluchte, innerlich sah ich mich noch einmal 27 Dollar berappen, um den blöden Test zu wiederholen. “Sie haben vier Fehler. Also stelle ich Ihnen noch einmal eine Frage. Ich suche eine extra einfache raus… Ah, diese hier.” Es war eine von denen, die ich offengelassen hatte, und am Schluss vergessen hatte zu beantworten. “Sie stehen an einer roten Ampel. Die Ampel springt auf grün, aber es befinden sich immer noch Fahrzeuge auf der Kreuzung. Sie sollten (a) Warten bis alle Fahrzeuge die Kreuzung verlassen, bevor sie auf die Kreuzung fahren, (b) Nur dann losfahren, wenn Sie die Fahrzeuge sicher umfahren können, oder (c) auf die Kreuzung fahren und warten, bis der Verkehr sich auflöst.” (b) ist offensichtlich falsch, aber wer weiß was die Kalifornier für komische Regeln haben? Nach kurzem Zögern antwortete ich (a), und die Afroamerikanerin (ist das der politisch korrekte Ausdruck?) antwortete “Natürlich! Du würdest doch nicht da reinfahren wollen, oder?” Im Nachhinein kommt mir die Antwort klar vor, aber wenn man bei Gegenverkehr links abbiegen möchte, dann fährt man ja auch erstmal in die Kreuzung, oder? Naja, Hauptsache bestanden, in ein paar Wochen werde ich wieder einen offiziellen kalifornischen Führerschein in den Händen halten. Bis dahin muss ich mich mit einem ausgedruckten vorläufigen Führerschein zufriedengeben.

Hier sind übrigens die drei anderen Fragen, die ich falsch beantwortet hatte:

“Es ist illegal für eine Person im Alter von 21 Jahren oder älter, mit einer Blutalkoholkonzentration von ___% oder mehr zu fahren.”
(a) 0.10% (1 Promille)
(b) 0.08% (0.8 Promille)
(c) 0.05% (0.5 Promille)

“Wenn sich in der Mitte der Straße zwei gelbe Linien befinden, dann…”
(a) darf man links abbiegen, um in eine private Einfahrt zu fahren.
(b) befindet man sich auf einer zweispurigen Einbahnstraße.
(c) sollte man die Linien als feste Mauer betrachten und unter keinen Umständen überfahren.

“Ein Polizist bemerkt, dass einer Ihrer Mitfahrer nicht angeschnallt ist und erteilt Ihnen ein Bußgeld. Welche der folgenden Aussagen trifft zu?”
(a) Sowohl Sie als auch ihr Mitfahrer erhalten ein Bußgeld.
(b) Ihr Mitfahrer erhält das Bußgeld, egal wie alt er ist.
(c) Sie erhalten das Bußgeld, wenn der Mitfahrer 15 Jahre alt oder jünger ist.

Richtige Antworten: b, a, c

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