Rucksack für Japan

Hier die versprochenen Bilder vom Test-Packen:
1
2
3
4

Insgesamt wiegt der Rucksack 7,5kg.
Hier sind ein paar Details über die einzelnen Gegenstände abrufbar.

Projekt Japan – Ultraleicht Reisen

Letztes Mal hatte ich ja geheimnisvollerweise angedeutet, ein Experiment in puncto Minimalimus zu planen. Es wahrscheinlich weitaus banaler als es klang: In vier Wochen fliege ich nach Japan, um 14 Tage durch das Land zu reisen, mit nichts als einem kleinen Rucksack. Für viele mag das nichts Besonderes erscheinen, aber bis dato hieß Reisen für mich, einen großen Koffer mitzuschleppen, mit mindestens zehn verschiedenen Outfits für jede Okkasion. Das grösste Problem ist natürlich, dass dieses 20kg schwere Ungetüm wie ein Anker wirkt, der einen an einen Ort bindet. Er bringt so viele logistische Probleme mit sich, dass es einem die Lust am Reisen eigentlich schon wieder verschlägt.

Die große Frage ist nun natürlich, wie kommt man mit nur einem kleinen Rucksack aus? Die Antworten sind eigentlich relativ einfach:

Man muss nicht für jede Eventualität gerüstet sein

Nur das mitnehmen, was man auch garantiert benutzen wird. Viele Probleme lassen sich vor Ort lösen. Sollte es unerwarteterweise am Mittelmeer im Juli schneien, kann man sicher auch dort einen warmen Pullover kaufen.

Funktionale Materialien

Kleidungsstücke sollten aus einem Material bestehen, das schnell trocknet, oder besser noch, selten gewaschen werden muss. Aus irgendwelchen unerfindlichen Gründen besteht die meiste heutzutage erhältliche Kleidung aus Baumwolle, ein Material, das nicht besonders warm hält im Verhältnis zu seinem Gewicht, ewig braucht bis es trocknet, und in dem sich geruchsbildende Bakterien sehr wohl fühlen. Moderne Kunstfasern lösen immerhin die ersten beiden Probleme, mit dem Nachteil, dass Polyesterhemden noch schneller stinken als Baumwolle und sich dieser Geruch über die Zeit auch noch im Stoff festsetzt.

Interessanterweise ist das Material, das in allen diesen Kategorien gut abschneidet, ein alter Bekannter: Schafwolle. Moderne Produktionsverfahren können Merino-Wolle in einen Stoff verwandeln, der mit dem alten kratzigen Wollpulli nichts mehr gemeinsam hat. Nachdem ich testweise ein Merino-T-Shirt ausprobiert habe, bin ich nun ein voll überzeugter Anhänger. In allen Punkten ist es Baumwolle überlegen: Es hält wärmer in der Kälte, ist nicht so warm in der Hitze, es wärmt auch noch wenn es nass ist (riecht aber etwas nach Schaf), trocknet schneller. Im Vergleich zu Kunstfaser ist es feuerfest. Das Beste aber ist, dass man ein Merinowollhemd tagelang, wochenlang tragen kann, ohne dass sich ein wahrnehmbarer Geruch bildet. Ich habe es selbst ausprobiert, habe es am Ende der Testperiode auf dem Sportplatz vollgeschwitzt, trocknen lassen, und: Nichts!
Es gibt nur einen kleinen Nachteil, nämlich den Preis. Solch ein Shirt kostet mindestens $40, wenn es gute neuseeländische Wolle und gute Verarbeitungsqualität sein soll, ist man mit $50-60 dabei (Icebreaker in Neuseeland ist einer der besten Hersteller). Es lohnt sich aber auf jeden Fall. Plante ich für einen zweiwöchigen Urlaub früher zehn T-Shirts mitzunehmen, werde ich jetzt gut mit 2-3 Wollshirts auskommen.
Für Socken und Unterwäsche gilt das gleiche: Merinowolle oder antibakteriell behandelte Synthetikfaser, jeweils zwei bis drei Paar, die man täglich unter der Dusche oder im Waschbecken wäscht.
Der grösste Unfug sind Jeans: Schwer, man schwitzt schnell darin, und es dauert ewig bis sie trocknen. Ich habe nun Jeans entdeckt, die zum Teil aus einem Synthetikmaterial namens CoolMax bestehen, was all diese Probleme etwas abmildert. Mal schauen. Mein zweites Paar Hosen besteht aus vinylbeschichtetem Nylon. Superleicht, lässt sich winzig zusammenfalten und trocknet in weniger als einer Stunde.

Zwiebelschalenprinzip

Das ist ein alter Hut, aber deswegen nicht weniger wichtig. Statt einer Winterjacke ist es smarter, eine Fleecejacke und eine regen- und winddichte dünne Goretex-Jacke (o.ä.) mitzunehmen. Statt Fleece kann es natürlich auch ein Cardigan aus Merinowolle sein, oder wenn es richtig kalt wird, eine dieser neuen, extrem leichten und packbaren Daunenjacken.

Maximal zwei Paar Schuhe (besser eins)

Das ist der schwierigste Punkt. Die Kunst besteht darin, einen Schuh zu finden, der so vielseitig ist, dass man für alle Gelegenheit gerüstet ist, auf dem Wanderweg wie im Nachtclub. Ich habe noch nicht die absolute Lösung gefunden, im Moment favorisiere ich einen leichten Wanderschuh von Merrell, der auch als Sneaker durchgehen könnte.

Sich so einzuschränken, hat noch viele weitere Vorteile: Das Ein- und Auspacken zu Hause und im Hotelzimmer geht in Minutenschnelle, man sucht weniger nach bestimmten Dingen. Man muss kein Gepäck am Flughafen aufgeben, mit dem Risiko, dass es verlorengeht oder verspätet eintrifft, und spart die Wartezeit am Gepäckband. Es erlaubt einem flexibel, mobil und aktiv zu sein. Das wird es mir erlauben, mit dem Zug quer durch Japan zu fahren, ohne mir große Sorgen um mein Gepäck zu machen. Wenn ich an einem neuen Ort ankomme, kann ich mich erstmal in Ruhe umschauen, ohne dass meine erste große Sorge ist, einen Riesenkoffer loszuwerden. Demnächst werde ich mal ein paar Fotos vom ersten Pack-Experiment zeigen.