Mal wieder ein Umzug
Wie im Fluge sind sie vergangen, die ersten zehn Monate, und per Brief wurde ich daran erinnert, dass mein Mietvertrag demnächst ausläuft. Anders als in Deutschland gibt es nur zwei Arten von Mietverträgen: Zeitverträge wie in Deutschland, und unbefristete Verträge, die allerdings eine beiderseitige Kündigungsfrist von nur 30 Tagen haben (“month-to-month”). So etwas wie in Deutschland, dass sich die Kündigungsfrist verlängert, je nachdem wie lange man in einer Wohnung lebt, kennt man hier nicht. Das Mieterdasein ist also geprägt vom ständigen Abschließen neuer Zeitverträge, oder aber von der Unsicherheit, dass man jederzeit innerhalb von 30 Tagen aus seiner Wohnung geworfen werden kann. Sicher auch einer der Gründe, warum hier mehr als 60% Wohneigentum besitzen.
Natürlich ist ein neuer Vertrag auch meist mit einer Mieterhöhung verbunden. Diese ist soweit ich weiß gesetzlich auf 10% jährlich begrenzt, gilt aber nur für bestehende Mieter. Das heißt dass es für Vermieter durchaus wünschenswert sein kann, bestehende Mieter zu vergraulen. Hier das Angebot, dass mein Apartmentkomplex mir unterbreitete:

Mein ursprünglicher Plan, erstmal auf “month-to-month” zu gehen und in Ruhe nach einer neuen, weniger teuren Wohnung zu suchen, wurde dadurch natürlich zunichte gemacht. Fast $3000 pro Monat, wenn ich keinen neuen Zeitvertrag unterschreibe? Wahnsinn. Und $1910 für einen neuen 12-Monats-Vertrag ist auch mehr als ich bereit bin zu zahlen. Also flugs die Kündigung eingereicht und ab auf Wohnungssuche!
Dabei musste ich feststellen, dass der Markt noch einmal angezogen hat. Familien, die durch die von der Kreditkrise ausgelösten Zwangsversteigerungswelle aus ihrem Eigenheim geworfen wurden, drängen jetzt auf den Mietermarkt. Die Anzahl der Zwangsversteigerungen hat sich in diesem Jahr ungefähr versiebenfacht, und die Auswirkungen sind ja sogar bis zu den europäischen Banken durchgedrungen. Ein weiteres Problem dürfte auch darin bestehen, dass die meisten Vermieter die Kreditwürdigkeit überprüfen und insolvente Mieter nicht nehmen, so dass ich in der Zeitung schon von einer Familie las, die ins Hotel ziehen musste.
Zumindest einen Vorteil hat die Wohnungssuche hier gegenüber Großstädten in Deutschland: Es gibt so gut wie keine Makler. Die Vermieter inserieren direkt in Zeitungen oder auf Websites wie www.craigslist.org, und alles was man als Mieter neben Kaution zahlen muss sind Gebühren für den oben erwähnten Kreditcheck, ca. $30-$40.
Durch die allgemeine 30-Tage-Kündigungsfrist (auch bei Zeitverträgen muss man in der Regel 30 Tage vor Ablauf bescheidgeben, dass man ihn nicht verlängern will), sind die angebotenen Wohnungen auch in der Regel innerhalb von vier Wochen oder weniger verfügbar, so dass man auch kurzfristig relativ leicht etwas finden kann. Aber wie gesagt, die Mieten sind mittlerweile mit durchschnittlich $1520 für eine Zweizimmerwohnung in Mountain View auf dem Niveau der Spitze des Dot-Com-Booms von 2001, wobei sie zwischenzeitlich 2003/2004 auf $1100 gesunken war. Und allgemein gilt: “You get what you pay for”. Richtige Schnäppchen konnte ich keine finden, und wenn, dann ist sicher ein Haken dabei. Wie z.B. der etwas zu redselige Vermieter, der mich eine halbe Stunde am Telefon hielt, mit Geschichten über seine deutsche Mutter und seine Essgewohnheiten bei Kentucky Fried Chicken. Zum Glück gibt es Websites wie www.apartmentratings.com, wo man Erfahrungsberichte von Mietern nachlesen kann. So konnte ich dieser Falle ausweichen, denn besagter Vermieter ist wohl auch in der Apartmentanlage derart penetrant und aufdringlich, dass ehemalige Mieter berichteten, dass sie ihren Tag danach planten, dass Roland (so der Name des Vermieters) nicht anwesend war, wenn sie nach Hause kamen. Und falls doch, war Blickkontakt unter allen Umständen zu vermeiden…
Letztendlich konnte ich aber doch noch eine Wohnung finden, die allen meinen Kriterien entsprach: Endetage (wenn auch nur erster Stock), Balkon, 2km vom Arbeitsplatz entfernt, Pool, weniger als $1500/Monat. Sie ist zwar relativ alt und liegt in einer weniger gefragten Gegend von Mountain View, die vorwiegend mexikanisch geprägt ist, dafür aber in Fahrradreichweite zur netten Innenstadt von Mountain View, wo auch mein Büro liegt. In einer Woche ist bereits der Umzug!
Kommentare(1)


Hey, super.
Gibts auch mal Bilder der neuen Wohnung? Bin schon gespannt.