Thanksgiving und Automacken

Thanksgiving ist ja das Fest hier in den Staaten, größer noch als Weihnachten. Mein Arbeitgeber gewährt z.B. zwei Feiertage für Thanksgiving, aber nur einen für Weihnachten. Im Supermarkt gibt es kein Entkommen, vor allem Truthähne und Zubehör für deren Zubereitung werden angepriesen. Im Fernsehen wird schon Wochen vorher darüber berichtet, wie katastrophal die Reisebedingungen sein werden, weil jeder nach Hause zu seiner Familie will (man stelle sich vor, die Sommerferien in Deutschland werden auf ein Wochenende konzentriert). Der Präsident persönlich gibt Militärluftraum für den Passagierverkehr frei, um Verspätungen im Flugverkehr zu reduzieren. Die Benzinpreise steigen unerklärlicherweise stark an, und es wird schwieriger, am Supermarkt einen Parkplatz zu finden.
Für mich war es aber einfach ein langes, eher langweiliges Wochenende. Langweilig, weil meine Freunde hier weggefahren sind, nach Deutschland bzw. Texas. Zum Glück war das Wetter aber ganz nett, so dass mich auf dem Balkon sonnen konnte, in Shorts und ohne T-Shirt, und das Ende November!

Am Thanksgiving-Freitag ist traditionell so eine Art Schlussverkauf, der sogenannte “Black Friday”. Die Läden öffnen teilweise um Mitternacht, und Leute stehen extrem früh auf, um sich mit anderen Leuten im Laden um die besten Schnäppchen zu kloppen. So ungefähr wie früher in Deutschland am ersten Tag des SSV oder WSV. Ich habe beschlossen, mich der Anti-Konsum-Bewegung anzuschließen und diesen Tag als “Buy-Nothing-Day” (“Kaufe-Nichts-Tag”, http://adbusters.org/metas/eco/bnd/) zu feiern und bin mal wieder den Highway 1 runtergefahren, bis kurz hinter Monterey.

Das graue Dings auf dem Hügel über der Brücke auf dem Foto oben ist übrigens ein Haus, das ringsherum Glaswände hat. Ob es mit rechten Dingen zugeging, als die Baugenehmigung dafür erteilt wurde?
Carmel und Monterey sind wirklich hübsche kleine Städtchen, äußerst beliebt bei Rentnern, die dort im angenehmen Klima ihren Lebensabend verbringen wollen. Lustig war, als ich umdrehen wollte, und mein Navi meinte, ich sollte erstmal noch fast 100 Meilen weiter nach Süden fahren, weil es keine geeignete Wendemöglichkeit fand. Auf diesem Trip stellte ich übrigens einen neuen Verbrauchsrekord auf mit meinem Chrysler, nämlich 9 Liter pro 100km. Normalerweise verbraucht er um die 11 Liter. Zum Glück ist das Benzin so günstig hier.

Ich hatte ja erwartet, dass bei einem Auto in dem Alter so langsam die ersten Macken kommen, und tatsächlich ließen diese nicht lange auf sich warten. Aber zum Glück gibt es ja das Internet und diverse Diskussionsforen für jeden Autotyp, so dass man sich bequem im Wohnzimmer Hilfe aus aller Welt holen kann.

Macke Nummer 1: Die Tankanzeige fing an zu spinnen. An Ampeln fiel sie plötzlich auf Null und die Warnleuchte signalisierte einen leeren Tank, kurz darauf stieg sie aber wieder auf den normalen Level. Zum Glück passierte das nur, wenn der Tank mehr als halb voll war, so dass ich nicht Gefahr lief, mit leerem Tank irgendwo liegenzubleiben. Kurz im Internet gesucht: Der Sensor ist empfindlich gegen gewisse Stoffe im Benzin, z.B. Schwefel, und vor Jahren gab es mal einen Fall, wo Shell zugab, mit Schwefel versetztes Benzin verkauft zu haben. Interessanterweise trat das Problem genau dann auf, als ich das erste Mal hier bei Shell getankt habe. Zufall? Möglicherweise. Als Lösung wurde im Forum ein Additiv vorgeschlagen, nämlich “Techron” von Chevron (ehemals bzw. die Mutterfirma von Texaco). Das soll den Sensor irgendwie schützen. Also eine Flasche für 9 Dollar gekauft und in den Tank geschüttet, und voila, das Problem war weg. Zumindest bis zur nächsten Tankfüllung, denn dann fing die Nadel wieder an zu tanzen. Nach ein paar Wochen wiederholte ich die Prozedur, denn sie schien ja immerhin etwas gebracht zu haben, und seitdem ist das Problem gelöst. Ich klopfe mal auf Holz.

Macke Nummer 2: Stottern im Leerlauf und Zögern beim Beschleunigen, komischerweise nur bei warmgelaufenen Motor. Das Problem scheinen sehr viele Besitzer von älteren Sebring Cabrios zu haben, und im schlimmsten Stadium geht der Motor einfach aus. Besonders nett auf der Autobahn, da man gleichzeitig Servolenkung und Bremskraftverstärker verliert. Nach einiger Zeit des Abkühlens lässt sich der Wagen dann ganz einfach wieder starten, bis er nach dem Warmlaufen wieder ausgeht. Soweit ist es aber bei mir noch nicht gekommen, die Symptome wirken noch sehr harmlos. Nach langem Lesen im Forum habe ich am Sonntag die erste Maßnahme getroffen, nämlich das Kurbelgehäuseentlüftungsventil getauscht. Klingt kompliziert, dauert aber nur ein paar Sekunden und kostet ca. vier Dollar. Seitdem ist es gefühlt besser geworden, aber noch nicht ganz verschwunden. Weitere geplante Maßnahmen: Ausspülen der Ventile und des Kurbelgehäuses mit reinem Petroleum zum Entfernen von Kohleablagerungen (es gibt da ein Produkt namens “Seafoam”) und der Austausch der Zündkerzen und -kabel. Letzteres lasse ich aber wohl lieber in der Werkstatt machen, denn für die hinteren drei Zündkerzen muss man ziemlich viel ausbauen. Hier scheiden sich die Geister: Im Handbuch steht, man solle dies alle 60.000 Meilen tun (mein ‘Bring hat jetzt fast 82.000), die Leute im Forum sprechen aber von 105.000 Meilen, zusammen mit dem Zahnriemen. Schaden kann es wohl nicht.
Wer weiß, vielleicht werde ich noch zum Autoschrauber!

Morgen fliege ich bereits schon nach Santa Ana zur Weihnachtsfeier! Die guten Neuigkeiten: Am Freitag haben wir im Gegensatz zum letzten Jahr nur am Vormittag Meetings, und statt des teambildenden Planspiels (à la “Euer Flugzeug ist abgestürzt, wie meistert ihr die Situation”) gibt es einen Segelnachmittag. Es wurden wohl 15 Boote gechartert, auf denen wir echtes Teamwork lernen sollen.
Die schlechte Nachricht: Der Wetterbericht spricht von 13 Grad und 80% Regenwahrscheinlichkeit, ein echte Sauerei! Vor allem, weil die Holidayparty am Samstag größtenteils im Freien stattfinden soll. Ich hoffe, ich finde meine Regenjacke noch.

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