Warten, Wandern, Videodreh
Unglaublich, wie schnell hier die Zeit dahinrast! Seit fast zwei Wochen habe ich nichts mehr gepostet, und dies nicht einmal bemerkt.
So langsam gewöhne ich mich an das spartanische Leben. Ein neues Bett habe ich mir mittlerweile auch gekauft. Der Gewissenskampf “Teuer&Ordentlich” gegen “Günstig&Schnell” (sprich: IKEA) wurde wieder einmal von IKEA gewonnen. Diesmal jedoch vermied ich das wacklige Sperrholz und wählte massives Pinienholz. Nach einer weissen Lasur baute ich es gestern in zwei Arbeitsstunden zusammen (mein Elektroschrauber ist noch unterwegs) und heute Nacht habe ich sehr gut drauf geschlafen. Viel besser als der erste Schrotthaufen! Eigentlich habe ich jetzt alles, was man so braucht. Nur ein Sofa, ein Tisch, ein paar Stühle und die gesamte Kücheneinrichtung wären schon ganz hilfreich. Aber den ganzen anderen Krempel, den ich über den Teich geschickt habe, vermisse ich nicht wirklich. Ich hatte sogar kurz den Gedanken, dass es eigentlich am besten waere, der Container würde verloren gehen, und ich würde die Versicherungssumme kassieren.

So langsam wollte ich aber schon wissen, wo Sachen blieben. Den Namen des Schiffes hatte ich, und es sollte am 20. September in Long Beach landen. Im Internet gibt es eine Seite, auf der man die Routen aller möglichen Schiffe verfolgen kann. Nur: Demnach war “mein” Schiff gar nicht an der Westküste gelandet, sondern machte im Golf von Mexiko eine Kehrtwendung und befand sich bereits wieder auf dem Weg gen Europa. Sollte mein Wunsch des verlorenen Containers tatsächlich in Erfüllung gehen?
Meine Mail an die Spedition wurde sofort beantwortet: Man würde unverzüglich in Erfahrung bringen, wo sich mein Umzugsgut befände. “Unverzüglich” hiess in diesem Fall fünf Tage später: Der Container stecke noch im Zoll fest. Wo genau, das ließ die Antwort leider offen. So warte ich also weiterhin geduldig…

Am Wochenende holte ich mal wieder meine Wanderschuhe aus dem Schrank und erklomm im Mount Diablo State Park den Eagle Peak (“Adlerspitze”). Im Vergleich zu den Alpen wenig spektakulär, aber genauso anstrengend, wenn nicht sogar noch schlimmer, denn die Trockenheit, der Staub und die erbarmungslose Sonne ließen dieses Vorhaben nicht gerade zum gemütlichen Spaziergang werden. Gelb und braun waren die vorscherrschenden Farben, egal ob beim Boden, den Pflanzen, Insekten oder Tieren. Insgesamt also eher eine im wahrsten Sinne des Wortes eintönige Veranstaltung.

Interessanter wird es hingegen im Büro: Die Vorbereitungen für die Weihnachtsfeier sind angelaufen. Die gesamte nordamerikanische Belegschaft wird sich wie jedes Jahr Anfang Dezember an einem noch nicht bekanntgegebenen Ort treffen (die Hoffnungen liegen auf Florida, die meisten wetten aber auf Las Vegas), und das Hauptereignis wird wie jedes Jahr ein selbstproduziertes Video sein. Jeder Standort muss einen kleinen Clip von fünf Minuten Länge beisteuern, und das ganze wird dann vom Filmteam zusammengeschnitten. Wir machen dieses Jahr wohl eine “Sopranos”-Parodie (Fernsehserie über eine Mafia-Familie in den USA), und eventuell auch noch ein Musikvideo. Ich muss also schon mal den falschen italienisch-amerikanischen Akzent üben.


