Erste Zwischenbilanz

Da ich jetzt ziemlich genau einen Monat hier bin, wird es Zeit für das erste Resümee:
Ich hatte damit gerechnet, dass die ersten Tage hart werden, aber es war wirklich schlimmer als erwartet. Am liebsten wäre ich direkt in den nächsten Flieger nach Deutschland gestiegen, und ständig diese Frage: Warum mache ich das eigentlich, ich hätte doch ganz einfach dableiben können und alles wäre gut? Nachdem aber nach und nach alle Hürden überwunden wurden, kann ich im Moment nur sagen: Ich habe alles richtig gemacht. Alle Bedenken haben sich zerstreut, alles ist genau so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Auch die negativen Seiten, aber mit denen kann ich leben.

Es gibt nur wenige Dinge, die ich im Nachhinein (wenn ich das jetzt schon beurteilen kann) anders machen würde. Erstens: Ich hätte mir erst einmal für einen Monat ein möbliertes Apartment nehmen sollen, auch wenn es teurer ist, um in Ruhe nach einer Wohnung zu suchen. Wenn ich ehrlich bin, hätte ich diese hier nicht genommen, wenn sie nicht sofort verfügbar gewesen wäre, das war ein sehr großes Argument. Andere, günstigere und besser gelegene Apartments wären auch okay gewesen, aber erst Wochen später verfügbar, und ich wollte sofort aus dem Hotel, das hat die Optionen stark eingeschränkt. Aber jetzt habe ich erst einmal zehn Monate Zeit, mir zu überlegen, wo meine nächste Wohnung sein wird. Vielleicht bleibe ich auch hier? Immerhin hat dieser Apartmentkomplex Platz zwei bei den Luxusapartments im Silicon Valley bei der Leserwertung im “Wave Magazine”, dem kostenlosen Stadtmagazin von San Jose und Umgebung gewonnen. Im gleichen Magazin entdeckte ich auch einen 15%-Coupon für das Sportgeschäft, in dem ich buchstäblich einen Tag vorher neue Laufschuhe gekauft hatte. Grr.
Ein weiterer Fehler: Ich nahm an, dass wie in Deutschland bei den Bettengrößen nur die Breite variiert, und holte mir ein “Full size”-Bett mit ca. 140cm Breite. Leider ist das nur 189cm lang, was bei 183cm Körpergröße schon etwas knapp bemessen ist. Die nächste Größe, “Queen size”, ist bei 160cm Breite immerhin 202cm lang. Ideal wäre gewesen “California queen size” (gibt’s leider nicht bei Ikea) mit großzügigen 153×213cm. Hinterher ist man immer schlauer. Mal schauen, ob es eine Gelegenheit für ein Upgrade gibt. Vielleicht beim nächsten Umzug?

Bis auf die Miete sind die Lebenshaltungskosten eigentlich nicht viel anders als in Deutschland, vieles ist sogar günstiger. Für meine Teilkasko zahle ich $50 pro Monat, und neulich kam die erste Stromrechnung: $5.48 für 14 Tage! Anders als in Deutschland wird hier monatlich der Verbrauch zentral abgelesen und abgerechnet. Die Kilowattstunde kostet $0.114, und das beim Monopolisten PG&E. In Deutschland ist selbst Billigstrom doppelt so teuer! Und eine Grundgebühr scheint es auch nicht zu geben. Nur eine Kaution musste ich hinterlegen, wegen meiner fehlenden Credit history. Das scheint einen hier überall zu verfolgen.

Allerdings gibt es auch hier einen Fortschritt zu verzeichnen: Bei einer der Agenturen bin ich mittlerweile im System, keine Ahnung wodurch. Vielleicht wird einiges einfacher dadurch.
Das einzige, was außer Miete teurer ist: Lebensmittel, weil es keine kleinen Discounter wie in Deutschland gibt. Dafür sind die Waren dann auch von entsprechender Qualität. Das Obst ist unglaublich gut! Bevor das Silicon Valley von Computerfirmen überrannt wurde, war es nämlich eines der Obstanbauzentren der USA, und das merkt man heute noch. Ebenfalls unverschämt teuer: Süßstoff und Toilettenpapier. Warum? Keine Ahnung. Was mir außerdem im Supermarkt auffällt: Abgepackte Wurst ist unglaublich lang haltbar, im Moment bis Dezember. Offenbar wird das mit den Konservierungsmitteln hier nicht so eng gesehen?

Der Konsumterror ist auch etwas stärker ausgeprägt. Während man in Deutschland “nur” vor Weihnachten, Ostern, Muttertag, Valentinstag malträtiert wird, scheint es hier alle zwei Wochen einen neuen Grund für Verkaufsoffensiven zu geben. Letzte Woche war es “Back to school”, das Ende der großen Sommerferien, und jetzt steht alles voller Kürbisse und alberner Accessoires für Halloween. Als nächstes müsste dann eigentlich Thanksgiving dran sein… Zum Glück habe ich (noch?) keinen Fernseher, aber schon die Radiowerbung nervt gewaltig.
Morgen geht es mit meinem Kollegen, dessen Kumpel, einer Freundin und den Au-Pairs zum “Oktoberfest” im Tourist Club Mill Valley. Der Ort nördlich von San Francisco, wo ich vorletztes Wochenende war. Der Tourist Club ist offenbar ein nicht so geheimer Geheimtipp, eine Art Berghütte, die man nur nach einem mehrere Kilometer langen Fußmarsch erreicht. Ich bin gespannt.

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