Nachdem ich am Freitag meine Wohnung geräumt, geputzt und übergeben habe und anschließend über 800km nach Hamburg gefahren bin, konnte ich mich gestern noch etwas in Hamburg entspannen, bevor es heute auf große Reise ging.
Der Flug nach London verlief ereignislos, nur beim Einchecken blockierte eine Frau den Counter, weil sie zwei Stücke Handgepäck mitnehmen wollte. Die British-Airways-Angestellte beharrte aber darauf, dass im Transitbereich in London/Heathrow n
ur ein Handgepäckstück erlaubt sei, um die Sicherheitskontrollen beschleunigen. Von der Sinnhaltigkeit dieser Begründung konnte ich mich später tatsächlich selbst überzeugen: Die Sicherheitskontrolle in Heathrow ist eine Katastrophe. Alle, die in Terminal 1 umsteigen oder von dort abfliegen, müssen durch die gleiche Sicherheitsschleuse, und diese ist hoffnunglos überlastet. So sehr, dass sogar vor der Halle mit der Sicherheitskontrolle noch eine Sperre ist, durch die immer nur eine gewisse Anzahl an Personen zur Zeit durchgelassen werden.
Insgesamt dauert das sicher 45 Minuten. Für Passagiere mit knappen Anschlussflügen, First-Class-Passagiere und “Executive Club Gold Card Holders” gibt es eine “Fast Track”, wo man die Kontrolle ohne Schlangestehen hinter sich bringen kann. Eine “Executive Club Card” habe ich mir vorher besorgt, für die goldene muss man aber einige Male mit British Airways geflogen sein. Im Angesicht der mehrfach sich durch die Halle windenden Schlange entschloss ich mich, es einfach mal zu probieren. Ich ging also zu der Dame in BA-Uniform, die die “Fast Track” bewachte und zog mit einem “Excuse me” die Club Card aus dem Portemonnaie. “Actually, only gold cards are eligible… But since you’re so nice, I’ll let you through.” Ich war also nett? Ich hab doch gar nichts gesagt. Aber egal, an der Schlange vorbei ab in den Wartesaal!
Nach zwei Stunden Warten ging es auch schon ans Boarding in die 747. Für mich war es das erste Mal, mit einer solchen zu fliegen. Was für ein Schiff! Der Platz neben mir war natürlich schon besetzt, von einem 48jährigen Inder, der vor dem Abflug offenbar noch ein schmackhaftes Knoblauch-Curry verspeist hat, was zusammen mit seinem aufdringlichen After Shave (?) eine nette Duftkombination ergab. Zum Glück sind in 10.000m Höhe Geruchs- und Geschmackssinn geschwächt.
Ironischerweise gab es auch als Mittagessen Hühnchen-Curry, was überraschend lecker war! Irgendwo habe ich mal gehört, dass man nach England fahren muss, wenn man das beste Curry in Europa haben möchte, und das scheint sich auch auf das Airline-Catering durchzuschlagen.
Das “Personal Entertainment System” von British Airways, also die kleinen LCD-Bildschirme in den Kopfstützen im Vordersitz, ist noch recht verbesserungswürdig. Die Filmauswahl ist zwar recht gut (“300″, “Das Leben der anderen”, “Shrek der Dritte” und noch ca. 30 weitere Filme), aber das System musste zweimal neu gestartet werden, weil einzelne Bildschirme nicht mehr reagierten. Das war jedesmal mit einer Wartezeit von 30-45 Minuten verbunden, weil die Filme vom Server neu auf alle einzelnen Geräte überspielt werden mussten.
Die Landung war ruckelig wie vor sechs Jahren (sind in San Francisco die Windverhältnisse so schwierig?). Und als Ausgleich zu meinem Glück mit Schlangestehen in London habe ich mir eine so ungünstige Schlange bei der Immigration ausgesucht, dass ich als letzter des Fluges durchkam.
Das erste, was mich die Beamtin fragte: “Sie haben hier also ein Visum drin? Wo ist Formular I797?!”
Öh… Was für ein Formular? Ich hab nur den Pass mit Visum vom Konsulat bekommen. Es folgten eine Reihe von Fragen: Wie heißt die Firma, für die ich arbeite? Wie lange arbeite ich schon für sie? Was habe ich vorher gemacht? War ich schon einmal in den USA? Für wen habe ich da gearbeitet? Am Schluss setzte sie aber einfach den Stempel in den Pass und schickte mich nicht in die gefürchtete “Secondary inspection”. Wieder einmal zeigte sich, dass diese Art des Visums sehr ungewöhnlich zu sein scheint: Die Beamtin musste erst in einem kleinen Büchlein nachlesen, bevor sie mich passieren ließ.
Ein Asiate vor mir hatte übrigens weniger Glück. “Was? Sie wohnen in den USA und können sich nicht an ihre Adresse erinnern?” Der Unglückliche begann, in seinem Rucksack zu kramen. Der Beamte hatte sich schon entschieden: “Schon gut. Bitte hier links, zur Secondary!”
Kleinere Panne bei der Autovermietung: Ob ich mit einem Auto der Kompaktklasse einverstanden wäre? Klar, hatte ich ja reserviert. Also sollte ich mir einfach auf dem Parkplatz einen aussuchen. Auf den Stellplätzen mit dem Schild “Compact” standen allerdings keine Autos, sondern stattdessen zwei Geschäftsleute und eine Familie, ebenfalls auf der Suche nach einem “Compact”-Auto. Nach kurzem Warten durften wir uns stattdessen ein “Full size”-Auto aussuchen. Ich schnappte mir einen Chevrolet Impala, mit Plüschsesseln und Wurzelholz-Imitat im Innenraum. Naja, Hauptsache, es fährt.
Die Fahrt vom Flughafen Richtung Mountain View deprimiert dann erst einmal. Der Flughafen ist eine echte Patchwork-Arbeit, jedes Gebäude hat einen anderen Stil, überall kleine Baustellen und Müll. Der Highway 101, der vom Flughafen nach San Jose führt, muss die hässlichste Autobahn der Welt sein. Bretterbuden, Plakatwände, Beton und Maschendraht links und rechts der Straße, mehrfach ausgebesserter Fahrbahnbelag. In den letzten sechs Jahren hatte sich nichts verändert.
Den Weg zum Hotel habe ich sogar ohne Adresse und Wegbeschreibung gefu
nden. Das hätte auch schiefgehen können… Das Hotel macht einen sehr guten Eindruck, mit vielen Extras wie kostenloser Bier- und Weinempfang täglich 18-20 Uhr, einmal wöchentlich kostenlose Massagen, Fitnessraum uvm. Auch das Zimmer ist sehr schön, mit LCD-Fernseher und einer Minibar so groß wie ein Kleiderschrank.
Meine erste Einkaufstour (am Sonntagabend!) führt mich zu “Fry’s” in Palo Alto, einer Art Media Markt, nur größer, günstiger und vielseitiger, wo ich mir direkt ein tragbares Navigationssystem kaufte ($198). Anschließend besuchte ich noch “Whole Foods”, einen Supermarkt, der auf hochwertige Biolebensmittel spezialisiert ist, mit Käse- und Wursttheke und “Food Court”, wo man fertige Gerichte zusammenstellen und mitnehmen konnte. Ich dachte ja, in Deutschland steht es mit dem Einkaufen auch nicht schlecht, aber trotzdem war ich etwas überwältigt, von der Auswahl, den unbekannten Produkten und — den Preisen. Alles sah extrem lecker aus, dummerweise habe ich aber das einzige erwischt, was nicht schmeckt: Die Falafel-Sandwiches sind nicht zu empfehlen.
So, jetzt werde ich den Rest des Abends noch damit verbringen, Adressen von Apartments herauszusuchen, die ich morgen dann mit Hilfe meines Navigationssystems anfahren werde. Mal schauen, vielleicht ist ja da schon etwas brauchbares dabei.