Clubbing und Busfahren
Mittlerweile habe ich meinen neuen Führerschein erhalten (mit extrem rotstichigen Foto) und auch meine neue Bankkarte (leider ohne funktionierende PIN). Das erste Geld vom neuen Arbeitgeber ist auch schon auf dem Konto, nämlich die Umzugskostenerstattung und ein Vorschuss vom ersten Gehalt. Die Umzugsfirma wurde netterweise ebenfalls direkt von der Firma bezahlt. Der Job ist auch genau so, wie ich ihn mir vorgestellt hatte, meine größten Sorgen haben sich zerstreut.
So langsam habe ich also alles organisiert, bis auf eine wichtige Sache: Ein Auto. Heute musste ich meinen Mietwagen zurückgeben, und bin jetzt also Mitglied der niedrigsten Kaste in Kalifornien geworden, nämlich die der Fußgänger. Da ein Mietwagen mich ca. 200 Euro pro Woche kosten würde, und ich im Moment eigentlich nur zur Arbeit und zurück gelangen muss, werde ich das Experiment “Öffentliche Verkehrsmittel im Silicon Valley” wagen. Eigentlich ist es darum in dieser Gegend gar nicht so schlecht bestellt, das Bus- und Bahnnetz ist ausreichend dicht.
Erstes Zwischenergebnis: Der Hinweg zur Mietwagenstation dauerte ca. 20 Minuten mit dem Auto, der Rückweg 90 Minuten mit dem Bus. Wobei davon die Hälfte durch eine schlechte Verbindung verursacht wurde: Ich musste einmal umsteigen, und dieser Bus fährt am Sonntag nur alle 45 bis 60 Minuten. Also 45 Minuten Fahrtzeit sollte ich in der Woche schon einplanen, und das für ca. 10km, wenn man die ideale Strecke fährt. Nun gut, am Donnerstag ist hoffentlich meine Prämie auf dem Konto, und dann geht es direkt zum Autohändler (oder -markt). Ungünstig ist nämlich auch, dass der Busfahrer überhaupt nicht Wechseln kann. Beim Einsteigen stopft man seine Scheine und/oder Münzen in so einen Apparat, und wenn es ausreichend war, darf man einsteigen. Der Preis ist $1,75 pro Fahrt, fällig jedes Mal, wenn man in einen Bus einsteigt. Wenn man kein Kleingeld hat oder zumindest keine zwei Dollarnoten, ist man aufgeschmissen. Aber es gibt Abhilfe: Neben Tages- und Monatskarten (für mich leider ungünstig, da wir gerade Monatsende haben), gibt es bei ausgewählten Geschäften “Tokens” zu kaufen, eine Art spezielle Münzen, die man beim Busfahrer gegen eine Tageskarte tauschen kann. Ziemlich praktisch, nur musste ich stundenlang herumfahren, um einen Laden zu finden, der sowas hatte. Wie dem auch sei, ich hoffe, diese autolose Episode wird kurz bleiben. Aber wer weiß, vielleicht finde ich ja doch Gefallen am Busfahren…
Am Freitag fiel übrigens das gemeinsame Mittagessen mit Kollegen aus. Grund: Es ist Sommer, und da ist man angewiesen, jeden zweiten Freitag das Büro um halb drei zu verlassen. Leider war es der letzte “summer Friday” dieses Jahr. Aber nächste Woche gibt es trotzdem wieder das gleiche Spiel: Es handelt sich nämlich um ein “Feiertagswochenende”, denn am Montag ist Labour Day, also Tag der Arbeit, und vor solchen Wochenenden ist ebenfalls um halb drei Feierabend. Diese Regeln gefallen mir.
Am gestrigen Samstagabend machte ich mit meinem deutschen Kollegen das Nachtleben in Mountain View unsicher. Mit von der Partie war ein bayerischer Bekannter meines Kollegen, der vor vier Jahren hierher kam, ebenfalls mit der Absicht, erstmal nur zwei Jahre zu bleiben. Es ging in einen irischen Pub mit original irischen Barkeepern, allerdings mit mexikanischem DJ, der Latino und Black Music spielte. Die $5 Eintritt war es jedenfalls wert. Das 0,33l Heineken schlug allerdings mit $4,25 zu Buche, Reeperbahnverhältnisse also. Typisch Kalifornien: Rauchen war angenehmerweise nur in einem abgesperrten Außenbereich erlaubt, und um halb zwei sagte der DJ den “last call for alcohol” an, und der Club leerte sich merklich, um Punkt zwei dann komplett zu schließen. Sperrstunde. Eigentlich gar nicht so verkehrt, dann ist der Sonntag nämlich nicht ganz im Eimer…




