Führerscheinprüfung

“It’s been a while, huh?” Der asiatische Beamte bei der Zulassungsstelle war etwas erstaunt, dass jemand seinen seit drei Jahren abgelaufenen Führerschein erneuern lassen wollte.
Ich war in aller Herrgottsfrühe um 8 Uhr beim DMV aufgeschlagen, und trotzdem war ich Nummer 38 in der Schlange. Der Herr am Empfang hatte mich schon darauf eingestimmt, dass ich vermutlich einen schriftlichen Test ablegen müsse, also habe ich während des Wartens wild das kleine Büchlein mit den Verkehrsregeln durchgeblättert und zwischendurch schnell nach einem Geldautomaten gesucht, weil ich dummerweise zu wenig Bargeld dabeihatte. Jetzt versuchte der Asiate, seinen Kartenleser dazu zu bringen, meine deutsche EC-Karte zu akzeptieren, natürlich ohne Erfolg. Kreditkarte? No. Check? Yes, of course! So altmodisch Schecks auch sein mögen, manchmal sind sie wirklich praktisch. Also den Scheck über 27 Dollar ausgestellt, kurz in die Schlange gestellt, die Fragen nach Kontaktlinsen oder Brille verneint, Foto gemacht und den Fragebogen in Empfang genommen. Im Gegensatz zu Fahranfängern, die 36 Fragen beantworten müssen und dabei sechs Fehler machen dürfen, muss man beim Erneuern des Führerscheins nur 18 Fragen beantworten, es werden einem aber nur drei falsche Antworten verziehen.
Der Testbereich war einfach eine etwas abgetrennte Ecke in der Schalterhalle, mit Stehtresen, an dem man seinen Test ausfüllt, ohne großartige Aufsicht. Ein Schild wies darauf hin, dass Mobiltelefone und Spicken verboten ist. Als das Telefon einer der Prüflinge klingelte, schlurfte ein älterer Herr in komischer Uniform herbei und bat, das Telefon doch bitte abzuschalten.
Absolut unvorbereitet war dieser Test gar nicht so einfach. Mindestens bei einer Frage aber hatte mir die Blitz-Lernerei beim Schlangestehen geholfen: Wenn man bergauf parkt, in welche Richtung soll man dann die Räder einschlagen? Weg vom Bordstein, natürlich.
Bei zwei Fragen war ich unsicher, diese ließ ich zunächst offen. Nach etwa zehn Minuten (Zeitlimit gab es übrigens keines) stellte ich mich in eine andere Schlange, um meinen Test korrigieren zu lassen. Mit einem orangen Filzstift markierte die Frau die falschen Antworten. Eine, zwei, drei.. vier. Ich fluchte, innerlich sah ich mich noch einmal 27 Dollar berappen, um den blöden Test zu wiederholen. “Sie haben vier Fehler. Also stelle ich Ihnen noch einmal eine Frage. Ich suche eine extra einfache raus… Ah, diese hier.” Es war eine von denen, die ich offengelassen hatte, und am Schluss vergessen hatte zu beantworten. “Sie stehen an einer roten Ampel. Die Ampel springt auf grün, aber es befinden sich immer noch Fahrzeuge auf der Kreuzung. Sie sollten (a) Warten bis alle Fahrzeuge die Kreuzung verlassen, bevor sie auf die Kreuzung fahren, (b) Nur dann losfahren, wenn Sie die Fahrzeuge sicher umfahren können, oder (c) auf die Kreuzung fahren und warten, bis der Verkehr sich auflöst.” (b) ist offensichtlich falsch, aber wer weiß was die Kalifornier für komische Regeln haben? Nach kurzem Zögern antwortete ich (a), und die Afroamerikanerin (ist das der politisch korrekte Ausdruck?) antwortete “Natürlich! Du würdest doch nicht da reinfahren wollen, oder?” Im Nachhinein kommt mir die Antwort klar vor, aber wenn man bei Gegenverkehr links abbiegen möchte, dann fährt man ja auch erstmal in die Kreuzung, oder? Naja, Hauptsache bestanden, in ein paar Wochen werde ich wieder einen offiziellen kalifornischen Führerschein in den Händen halten. Bis dahin muss ich mich mit einem ausgedruckten vorläufigen Führerschein zufriedengeben.

Hier sind übrigens die drei anderen Fragen, die ich falsch beantwortet hatte:

“Es ist illegal für eine Person im Alter von 21 Jahren oder älter, mit einer Blutalkoholkonzentration von ___% oder mehr zu fahren.”
(a) 0.10% (1 Promille)
(b) 0.08% (0.8 Promille)
(c) 0.05% (0.5 Promille)

“Wenn sich in der Mitte der Straße zwei gelbe Linien befinden, dann…”
(a) darf man links abbiegen, um in eine private Einfahrt zu fahren.
(b) befindet man sich auf einer zweispurigen Einbahnstraße.
(c) sollte man die Linien als feste Mauer betrachten und unter keinen Umständen überfahren.

“Ein Polizist bemerkt, dass einer Ihrer Mitfahrer nicht angeschnallt ist und erteilt Ihnen ein Bußgeld. Welche der folgenden Aussagen trifft zu?”
(a) Sowohl Sie als auch ihr Mitfahrer erhalten ein Bußgeld.
(b) Ihr Mitfahrer erhält das Bußgeld, egal wie alt er ist.
(c) Sie erhalten das Bußgeld, wenn der Mitfahrer 15 Jahre alt oder jünger ist.

Richtige Antworten: b, a, c

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