Einzug und der erste Strandbesuch

Freitags ist immer ein besonderer Tag, denn da geht die komplette Belegschaft zusammen essen, auf Firmenkosten. Jede Woche entscheidet ein anderer Mitarbeiter darüber, wo es hingehen soll. Diesmal war einer der Japaner in Downtown Mountain View das Ziel. Im Gegensatz zu den ansonsten sehr hohen Preisen ist dieser zumindest mittags wirklich erschwinglich: $1.50 für einen Softdrink, und ca. $11 für ein Gericht, z.B. 18 Sushi-Stücke (6x Thunfisch, 6x Gurke, 6x California Roll), für das ich mich dann auch entschieden habe. Exzellent! Da ist es fast günstiger, dort zu essen als selbst zu kochen: Tiefkühlpizza $6.98, Orangensaft $5.48 (100%, aus Konzentrat, Direktsaft ist natürlich noch teurer), sogar Toilettenpapier kommt mir hier teuer vor ($12 für 24 Rollen?). Naja, man muss sich daran gewöhnen.

Am Samstag bin ich dann in meine überteuerte “Luxuswohnung” gezogen. Ich habe bestimmt insgesamt eine Stunde nach der richtigen Einfahrt, dem richtigen Stellplatz in der Tiefgarage, meinem Kellerabteil, dem Briefkasten und dem richtigen Eingang gesucht. Der Komplex ist wirklich riesig. Danach ging es direkt zu IKEA in East Palo Alto. Dieses Städtchen hat eine der höchsten Kriminalitätsraten in Kalifornien und liegt interessanterweise direkt neben Palo Alto, einer der reichsten Gegenden Nordkaliforniens, wo z.B. die Stanford-Universität ihren Hauptcampus hat. Da ich die richtige Abfahrt verpasste, konnte ich direkt einen Eindruck von East Palo Alto gewinnen. Verbrechen konnte ich keines beobachten, nur die massive Polizeipräsenz wies auf die Probleme in dieser Gegend hin.

IKEA selbst war fast exakt so wie z.B. der in Hamburg-Schnelsen. Es war schon ein merkwürdiges Gefühl, die Treppen zum Ausstellungsraum hinaufzugehen, umgeben von genau dem gleichen IKEA-Krempel, nur statt in bleiche norddeutsche blickte ich in gebräunte mexikanische, indische und asiatische Gesichter. Alle Texte sind interessanterweise in Englisch und Spanisch gehalten, ein Zugeständnis an die Zielgruppe der mexikanischen Einwanderer? Der Laden war so voll wie an Samstagen zu den Zeiten, als Hamburg noch nicht zwei IKEAs hatte, und ich war wirklich froh, wieder draußen zu sein.

Heute dann ging es nach dem Ausfüllen des Übergabeprotokolls direkt nach Santa Cruz an den Strand. Ein Porsche hatte einen Auffahrunfall auf dem Freeway 17, deswegen gab es einen leichten Stau. Zuerst stattete ich der Universität von Santa Cruz einen Besuch ab, das habe ich vor sechs Jahren, als ich bereits einmal hier war, irgendwie nicht geschafft. Sie ist echt schön gelegen, inmitten eines Redwoods-Waldes in den Hügeln mit herrlichem Blick über die Stadt, und das Meer.

In der Innenstadt von Santa Cruz kommt man sich vor wie in einem Surfer-Film. Fast alle tragen nur Flipflops und Shorts. Ein älterer, braungebrannter, hagerer Mann mit Vollbart tänzelt auf Rollschuhen durch die Straßen. Ein weiterer fährt im Wolfskostüm mit Cape auf dem Fahrrad durch die Innenstadt. Merkwürdig.

An der langen befahrbaren Mole eine weitere Kuriosität: Pelikane. Riesige Vögel mit großen Schnäbeln, bei deren Anblick man sich wundert, wie sie überhaupt fliegen können. Das Können sie aber tatsächlich ziemlich gut. Von Zeit zu Zeit stürzen sie regelrecht ins Meer, wenn sie einen Fisch erspähen, und streiten sich dort dann mit Möwen und Seelöwen um die Beute. Diese lauern darauf nämlich auf bzw. direkt unter der Wasseroberfläche.

Auf der Strandpromenade befindet sich ein “Rummel” oder Jahrmarkt mit Fahrgeschäften, Fressbuden und allem was dazu gehört, der Santa Cruz Boardwalk (siehe Foto oben), der gerade sein 100jähriges Bestehen feiert. Außerdem gibt es dort ein Dutzend Beachvolleyballfelder, auf denen gerade ein Turnier stattfand. Es gab also eine Menge zu sehen.

Aber das war noch nicht der Höhepunkt: Als ich auf dem Weg zurück zum Auto war (Parkuhr: 25 Cent pro 100 Minuten), kam ich an einem Fahrradgeschäft vorbei, das sich auf diese Beach Cruiser spezialisiert hatte. Dort schauten sich gerade ein paar Leute nach einem Fahrrad um, wie mir schien, und etwas weiter weg tuschelten zwei Mädchen: “Ist er das wirklich?” Ich schaute genauer hin, und dachte: “Den kennst du doch aus dem Fernsehen!” Okay, das Markenzeichen in Form einer um den Hals hängenden Wanduhr hat ebenfalls geholfen: Es handelte sich um Flavor Flav, Mitglied der Hiphop-Urgesteine Public Enemy, Ex-Freund von Brigitte Nielsen. Okay okay, man muss ihn nicht kennen. Ich hab mich trotzdem mit ihm fotografieren lassen.

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