Wie fängt man einen Blog an?

“Begin at the beginning,” the King said, very gravely, “and go on till you come to the end: then stop”. — Alice in Wonderland, Lewis Carrol

Bislang stand ich dem Phänomen Bloggen eher skeptisch gegenüber, doch nun habe ich einen echten Anlass, das auch mal auszuprobieren: Ich gehe in die USA! Für länger! Wahrscheinlich!

Wahrscheinlich, weil ich immer noch nicht so recht daran glaube. Immerhin sind die Konditionen verhandelt und der Arbeitsvertrag unterschrieben. Nächste Schritte: Vom Arbeitgeber unterschriebenes Exemplar zurückerhalten und das Visum beantragen.

Wie ist es dazu gekommen? Vor kurzem breitete sich nach fünf Jahren im gelernten Job (Softwareentwicklung) gepflegte Langeweile aus. Ich dachte, dies ließe sich durch einfaches Wechseln des Arbeitgebers ändern und sah mich nach einem neuen Job um. Unter anderem fiel mir auf einer Internetjobbörse eine Annonce auf, in der ein deutscher Web-Softwareentwickler gesucht wurde, um in der San Francisco Bay Area zu arbeiten. Zufälligerweise ein paar Blocks von der Firma (R.I.P.) entfernt, bei der ich kurz vor dem Dot-Com-Sterben nach meinem Studium ein Praktikum absolvierte. Ein deutscher Angestellter kam deswegen bevorzugt in Frage, weil die Firma einem Deutschen gehört und er so aufgrund einer obskuren Bestimmung anderen Deutschen ein Arbeitsvisum besorgen kann. Auch wenn meine Skills nicht ganz passten, bewarb ich mich, hatte zwei Telefoninterviews, und hörte nie wieder von der Firma. Zumindest vorläufig.

Ich nahm einen anderen Job an, zog von Hamburg an den Bodensee und versuchte mich hier einzuleben, mit mittelmäßigem Erfolg. Denn die Langweile, die ich im vorherigen Job verspürte, blieb bestehen. Außerdem musste ich plötzlich vier Tage pro Woche beim Kunden verbringen, und entweder im Hotel übernachten oder täglich im Auto sitzen, um 6:30 Uhr aufstehen und um 20 Uhr nach Hause kommen. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Hinzu kam, dass man mit dem System, mit dem ich arbeiten sollte, ungefähr so komfortabel arbeiten konnte, als ob man einen Roman mit einem angekokelten Stock schreiben sollte, auf dem Bürgersteig. Oder das Badezimmer mit einer Zahnbürste putzen. You get the idea.

Nach ein paar Monaten des Arrangierens und Hoffens auf Besserung kam aus heiterem Himmel ein Anruf: Die Firma suchte wieder jemanden für Kalifornien, und sie hätten meinen Lebenslauf nochmal rausgekramt, und ob ich noch Interesse hätte? Ich hatte! Zufälligerweise weilte der CEO, der mich auch persönlich anrief, in dieser Woche in München, zu einem Interview mit dem SPIEGEL, wie er beiläufig erwähnte, und ob ich ihn nicht treffen könnte? Ich konnte!

Das zweistündige Interview lief gut, und ein paar Tage später kam per Mail das Angebot. Ich hatte vorher ausgerechnet, ab welchem Gehalt sich ein Umzug lohnen könnte, und hatte insgeheim gehofft, dass das Angebot darunter liegen wird, um mir die schwere Entscheidung abzunehmen. Ich hatte Pech: Das Angebot war gut. Sehr gut.

Mein Problem: Ich will nicht um jeden Preis nach Kalifornien. Klar, ich kann mir gut vorstellen, dort längere Zeit zu leben, habe ich ja auch schon getan, doch ich mag auch Deutschland, habe keine Probleme hier. Bis auf die Langeweile der vorgezeichneten Karriere. Was mir am meisten schwerfällt, auch wenn es blöd klingt: Ich habe ein Riesenglück gehabt und eine bezahlbare, große Wohnung mit See- und Alpenblick geschossen. Hier das Panorama vom Balkon, die Alpen verstecken sich allerdings gerade hinter Wolken:

Balkonpanorama

Aber ist das ein Grund, diese Chance zu vergeben? In letzter Minute bekam ich kalte Füße und sagte ab. Der CEO fragte drei Mal per Mail nach, ob er noch einmal mit mir sprechen könne. Ich meldete mich einfach nicht.

Doch der Gedanke ließ mir keine Ruhe. Nach drei Wochen, ich saß wieder beim Kunden vor dem Rechner und langweilte mich, antwortete ich endlich und telefonierte noch einmal. Ein kleiner Bonus und bezahlte Heimflüge überzeugten mich endlich: Ich sagte zu!

Jetzt schwanke ich täglich, nein stündlich zwischen Panik und Euphorie. Habe schon eine riesige To-Do-Liste gemacht, kann aber noch nicht richtig loslegen, solange das Visum noch nicht da ist.

Immerhin habe ich am Wochenende einen Anfang gemacht, um mein Gewissen zu beruhigen: Ein unbenutztes Tagesgeldkonto ist gekündigt, zwei alte Kameraobjektive sind bei ebay eingestellt. Wie sagte Konfuzius? Jede große Reise beginnt mit dem ersten Schritt?

OK, genug Sprüche aus dem Poesiealbum. Die Senior HR Managerin hat versprochen, heute wegen der Visumsunterlagen zu mailen, da bin ich mal gespannt.

Kommentare

  1. Simon
    December 13th, 2007 | 4:28 pm

    Hallo!
    Uns zieht es vermutlich im kommenden Frühjahr ebenfalls nach Palo Alto….hätte da zahlreiche Fragen:o)
    Gibt es eine Mailadresse?
    Grüße!

  2. Weilharter Michael
    September 27th, 2008 | 2:01 pm

    hallo, wollte dich fragen, wie mann wohnungen findet in californien! und wie es rechtlich aus schaut wenn mann einfach aus dem Lande zieht!

    bitte um Antwort

    danke im Vorraus!
    Michael aus österreich!

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