Invasion der Apfelmotte

Wie ich letzte Woche aus der Zeitung erfahren habe, wohne ich in einem Quarantänegebiet: Kein Obst und Gemüse darf Santa Clara County und West San Jose verlassen, egal ob es hier angebaut oder von außerhalb hereingebracht wurde. Der Grund ist klein, braun, nervtötend und stammt aus Australien: Die hellbraune Apfelmotte. Da sie hier keine natürlichen Fressfeinde hat und auch bei ihrer Nahrung nicht wählerisch ist, konnte sie sich hier massenhaft vermehren und bedroht nun immer stärker den heimischen Obst- und Gemüseanbau. In Santa Cruz wurden im letzten Jahr flächendeckend per Flugzeug künstliche Pheromone gesprüht, die den Paarungszyklus unterbrechen sollen. Nachdem sich aber viele Anwohner über Atembeschwerden nach den Sprühaktionen geklagt hatten, wurden sie dieses Jahr per Gerichtsbeschluss untersagt. Stattdessen wird es jetzt mit herkömmlichen Pestiziden und eben dieser Quarantäne versucht. Trotz Fliegengitter an jedem Fenster ist die Motte auch oft Gast bei mir. Hier ein leider unterbelichtetes Portrait.
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Gestern habe ich den letzten Rest Aubergine meiner Farm Fresh To You-Box verbraucht. Insgesamt hat es sehr gut geklappt, eingebüßt habe ich lediglich eine große Tomate, fast alle Kirschtomaten (ich hätte sie wohl waschen und schneller essen sollen) und ein Drittel des Salates. Die Auberginen ließen sich sehr gut verwerten: Knoblauch und Schalotten viel reichlich Olivenöl anbraten, gewürfelte Auberginen dazu, noch mehr Öl drauf, Basilikum, Pfeffer und Salz dazu. Das ganze auf Pasta mit frisch geriebenem Parmesan servieren. Dazu muss ich allerdings sagen, dass die Auberginen von einer festeren asiatischen Sorte waren, die “normalen” sind vielleicht etwas zu matschig dazu. Am Mittwoch kommt die nächste Box, und die Vorschau-Liste sieht schon mal vielversprechend aus.

Farm Fresh To You

Man soll ja täglich fünf Portionen Obst und Gemüse essen, aber irgendwie fällt mir das schwer. Meistens stehe ich planlos im Supermarkt in der Obst- und Gemüseabteilung und weiß nicht, was ich kaufen soll. Durch Zufall hatte ich von CSAs gehört, Community Supported Agriculture. Die ursprüngliche Idee ist, dass man selbst beim Bauernhof mithilft, und als Gegenleistung die Produkte frisch und günstig einkaufen kann. In der heutigen ultrabequemen Zeit begnügt man sich immer mehr und mehr mit einem rein monetären Beitrag. Meist kauft man für mehrere Hundert Dollar einen Anteil für den ganzen Sommer, und kann sich dafür jede Woche ein Paket mit Obst, Gemüse und Eiern bei einer von vielen Stationen abholen.

Nach etwas Recherche habe so etwas für meine Gegend gefunden: Capay Farms. Und die Bedingungen waren sehr verlockend:

  • Lieferung frei Haus
  • Frei bestimmbare Häufigkeit, verschieden große Boxen
  • Jederzeit kündbar
  • Man zahlt nur für das, was man geliefert bekommt
  • Das ganze läuft ganzjährig (der Winter soll allerdings etwas eintönig sein)

Die weiteren Vorteile sind

  • Die Waren wird geerntet, verpackt und am nächsten Tag gleich ausgeliefert
  • Man bekommt nur das, was gerade Saison hat
  • Es handelt sich um Bio-Qualität eines lokalen Produzenten
  • Man wird mit Dingen konfrontiert, die man nie kaufen würden, und erweitert so seinen Horizont
  • Das Geld geht direkt an den Erzeuger

Ich entschied mich für die normale Box alle zwei Wochen, und gestern kam die erste Lieferung:

  • 1 Bund Basilikum
  • 0,5 Pfund Kirschtomaten
  • 0,5 Pfund Erbsen
  • 1,5 Pfund Auberginen
  • 1,5 Pfund runde Pflaumen
  • 0,5 Pfund Zigeunerpaprika (?)
  • 1,5 Pfund Pfirsiche
  • 1 Pfund Tomaten
  • 1 Pfund Gurken
  • 1 Kopfsalat

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Da der Salat natürlich am schnellsten welkt, hab ich den sofort verarbeitet. Ich wusste gar nicht, dass Blattsalat auch einen Geschmack haben kann! Bislang war es immer nur geschmacksneutrales Grünzeug, das hier war etwas ganz anderes. Leider dachten das auch viele kleine Obstfliegen, die sich darin breitgemacht haben. Das ist der “Nachteil” von Biokram: Es werden keine Pestizide eingesetzt. Auch die Tomaten waren spektakulär, so etwas bekommt man im Supermarkt nicht.

Ich bin allerdings noch nicht so ganz sicher, was ich mit den Auberginen machen soll. Zum Glück kann man Extrawünsche für seine Box äußern. Vielleicht werde ich Salat und Auberginen gegen mehr Tomaten und Obst tauschen? Ich bin schon gespannt, was in zwei Wochen im Paket sein wird.

Umzug überstanden

Je näher der Umzug rückte, desto größer wurden die Zweifel. Sicher, ich spare fast $500 im Monat, doch wenn ich darüber nachdachte, was ich mit dem Geld so machen könnte, war “eine schönere Wohnung mieten” die Nummer eins auf der Liste. Aber das war müßig, denn die Verträge waren unterschrieben und alles organisiert.

Das Spannendste beim Umziehen ist immer die Schlüsselübergabe. In welchem Zustand wird die Wohnung sein? Welche Überraschungen warten, die man bei der Besichtigung übersehen hat? Mein Eindruck bei der Schlüsselübegabe am Freitag war positiv: Die Wohnung war größer als ich sie in Erinnerung hatte, und alles war in akzeptablem Zustand, bis auf die Jalousien im Schlafzimmer, die aber demnächst ausgetauscht werden. Nur eines störte mich gewaltig: Es roch muffig, Marke “Altes Ferienholzhaus in Dänemark”, oder “Oma mit drei Katzen”. Waren meine Vormieter etwa Raucher, und Qualmreste mischten sich mit dem Teppichreiniger zu diesem Duft? Egal, erst einmal umziehen, vielleicht kann man später etwas machen, dachte ich mir.

Da die neue Wohnung nur 10km von der alten entfernt ist, fuhr ich schon am Freitag mit Jarys Honda CRV und meinem Sebring vier Autoladungen Kleinkram in die neue Wohnung, und auch am Samstag lud ich noch einmal mein Auto voll, damit wir uns am ”großen” Umzugstag, dem Sonntag, auf die größeren Möbel konzentrieren konnten. Ich hatte bei Uhaul einen kleinen Laster reserviert, für nur $29.90, allerdings plus 89 Cent pro Meile. Da am Samstag Marius’ 30. Geburtstag gefeiert wurde, hatte ich die Abholung auf 11 Uhr gelegt, um meinen Helfern (und mir) genug Zeit zu geben, sich von der Party zu erholen. Um 17 Uhr schloss die Mietstation, aber eigentlich sollte das doch klappen, dachte ich mir, denn soviel Zeug habe ich ja nicht…

Der 22-Fuß-LKW war eine absolute Schrottkiste, ein Ford-Benziner mit über 300.000km auf dem Buckel. Mit Stirnrunzeln nahm ich zur Kenntnis, dass der Uhaul-Mitarbeiter das Feld “Bestehende Vorschäden” nicht ausgefüllt hatte. Na gut, vermutlich würde das eine Weile dauern, und es war schon 11:30 Uhr, also Bedenken beiseite und losgefahren, schließlich hatte ich auch die Vollkasko-Versicherung dazugekauft. Der Laster fuhr sich wie auf Schwämmen, und beim Rechtsabbiegen kamen klägliche Geräusche von der Hinterachse.

Obwohl wir uns reichlich Zeit ließen und Geburtstagskind Marius eine Stunde zu spät kam, hatten wir zu dritt alles in weniger als zwei Stunden verladen. Da ich den LKW eine Nummer größer gewählt hatte, mussten wir uns keine Gedanken übers Platzsparen machen und nicht alle Möbel zerlegen. Die absoluten Zeitsparer und Rückenschoner waren aber die beiden Sackkarren, die man für $8 bzw $11 (mit Gurt für große Sachen und treppenfähig) mit ausleihen konnte. Ab jetzt nie wieder ein Umzug ohne!

Jetzt wurde es spannend: War ein Parkplatz direkt vor meiner neuen Wohnung frei? Nicht um dort zu parken, sondern um freien Zugang zu haben. Ein Fußweg wurde leider vergessen, so dass man zwischen parkenden Autos durchlaufen muss, was z.B. mit einer Couch auf dem Arm etwas schwierig war. Doch wir hatten Glück. Ich rief meinen Kollegen Jim an, der seine Hilfe angeboten hatte, um ihn zu bitten, uns beim Ausladen zu helfen. Das stellte sich später als etwas überflüssig heraus, denn der Weg vom LKW zur Wohnungstür betrug 5m und eine Treppe, und als er eintraf, war nur noch die Couch auf der Ladefläche, die wir dann zu dritt in die Wohnung trugen. Der Geruch war noch da. Ich fragte meine Umzugshelfer, doch die konnten nichts riechen. War ich zu empfindlich?

Es war noch nicht einmal 15 Uhr, und alles war erledigt. Exzellent! Ich startete die Schrottkiste, um zurück zum Uhaul-Stützpunkt zu fahren. In der Ausfahrt vom Parkplatz des Apartmentskomplexes kam mir jemand entgegen, also lenkte ich etwas nach rechts, um Platz zu machen. Plötzlich gab es einen lauten Rumms von rechts oben, der in ein Knirschen überging. Ich war gegen ein Zierdach gefahren, dass das eine Ende meines Apartmentgebäudes schmückte. Mein erster Gedanke war, ob das Gebäude Schaden genommen hatte, denn die kellerlose Holzkonstruktion wurde ganz schön durchgerüttelt. Der zweite Gedanke galt meiner Versicherung, die ich zum Glück dazugekauft hatte. Eine kurze Inspektion zeigte, dass die Schäden eher glimpflich waren. Am Holzbalken des Hauses waren nur ein paar Lackspuren zu sehen, die man aber nur wahrnahm, wenn man wusste, was passiert war. Am Dach des LKW war der Lack ziemlich übel zerkratzt, aber an genau der gleichen Stelle hatte bereits jemand vor mir genau das gleiche veranstaltet, nur sehr viel übler.

Ohne weitere Reibereien konnte ich gerade vom Dach wegziehen. Ich fuhr zur Station und versuchte auf dem Weg meine nagende Ungewissheit zu verdrängen. Auf den Uhaul-Mitarbeiter wartend las ich mir noch einmal meine Versicherungsbedingungen durch: Schäden durch Kollisionen am Dach waren explizit nicht gedeckt. Na klasse. Der Mitarbeiter kam, ging zur Inspektion einmal um den LKW herum, füllte den Beleg aus und überreichte ihn mir. Mit einem Blick kam die Erleichterung: “Keine neuen Schäden” war angekreuzt. Ich war wirklich froh, keinen nagelneuen LKW bekommen zu haben…

Die erste Nacht in der neuen Wohnung war wie erwartet unruhig. Die Wände sind extrem hellhörig, und die Zufahrt geht an meinem Schlafzimmer vorbei. Wie auf Bestellung hatte die mexikanische Familie schräg unter mir eine Grillparty, die allerdings gnädigerweise um halb zwölf vorbei war. Meine Wohnung ist unter den Umständen allerdings eine der ruhigsten: Niemand über mir, die Waschküche unter mir, und nur eine gemeinsame Wand mit einem Nachbarn, nämlich hinter meinem Wandkleiderschrank zu deren Badezimmer. Keine lauten Klimaanlagen wie bei der alten Wohnung, nachts höre ich allerdings die Gasheizung, die das ganze Gebäude mit Warmwasser versorgt. Das ist allerdings ein sehr leises und eher beruhigendes Geräusch.

Die Ursache für den komischen Geruch konnte ich nach ein paar Tagen auch finden: Offenbar war das Spülbecken in der Küche irgendwann mal irgendwie undicht gewesen, und der Holz-Küchenschrank darunter hat sehr viel Feuchtigkeit abbekommen. Was ich zuerst für Verfärbungen auf dem Holz hielt, entpuppte sich beim gründlichen Putzen als getrockneter Schimmelpilz, der beim Entfernen allerlei interessante Gerüche von sich gab. Nach dem Reinigen jedenfalls hat sich die Geruchssituation deutlich gebessert. Beim Putzen ging übrigens der Wasserhahn kaputt, so dass ich gleich zwei Gründe hatte, den Hausmeister zu rufen. Der Wasserhahn wurde repariert, am Küchenschrank konnte er aber nichts machen, da jetzt ja keine Feuchtigkeit und kein Geruch mehr da ist. Hm, okay.

Es ist schon erstaunlich, wie schnell man sich an eine weniger luxuriöse Wohnung gewöhnt. Ich vermisse meine alte Wohnung jedenfalls überhaupt nicht mehr, und frage mich, wie ich jemals denken konnte, dass der höhere Preis sich lohnen würde. Neben der Miete spare ich auch Benzin, denn das Büro ist nur 2km entfernt, was auch bedeutet, dass ich mittags schnell mal zum Essen nach Hause fahren kann, was ebenfalls wiederum Geld spart. Alle Einkaufsmöglichkeiten sind mit dem Fahrrad zu erreichen, nur mein Stammsupermarkt Lucky’s nicht. Aber irgendwas ist ja immer…

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Jary und Marius chillen in meinem neuen riesigen Wohnzimmer

Autofahren in Kalifornien

Das Autofahrerdasein in Kalifornien ist schon ein anderes als in Deutschland, irgendwie etwas chaotischer, aber trotzdem entspannter. Die Straßen jedoch sind in jämmerlichem Zustand, und auch die “$1000 fine for littering” schrecken offenbar zuwenig Leute ab, ihren Müll aus dem Fenster zu werfen oder an der Autobahn abzustellen. Hier mal die Hauptunterschiede:

Kein Rechtsfahrgebot: Es ist zwar generell empfohlen, sich auf der Autobahn rechts zu halten wenn man langsamer unterwegs ist, und Lastwagen und Gespanne mit Anhänger müssen auch rechts fahren, allerdings ist rechts überholen nicht verboten.

Carpool lanes: Wegen des Rautensymbols auf dem Asphalt auch “diamond lanes” genannt. Diese Spuren sind Fahrgemeinschaften vorbehalten. Man muss allerdings aufpassen, welche Regeln für den jeweiligen Abschnitt gelten. Auf manche darf man schon ab zwei Personen im Fahrzeug, für andere muss man gar mit drei Personen aufwarten. Manche sind ab 19 Uhr und am Wochenende auch für Solo-Fahrer offen, auf anderen gelten die Regeln rund um die Uhr. Meist ist dies die linke Spur auf Autobahnen, was zu einem kleinen Problem führt: Viele ziehen nach dem Auffahren auf die Autobahn gnadenlos von rechts über alle 4-5 Spuren auf die Carpool lane, und ebenso rücksichtslos wird die Autobahn auch wieder verlassen. Besonders schlimm ist es, wenn zwei wichtige Autobahnen kreuzen. Die oft zu sehende Lösung: Eine abenteuerliche Betonbrückenkonstruktion, die auf Stelzen die einzelne linke Spur einer Autobahn mit der linken Spur einer anderen Autobahn verbindet.

Kurze Auffahrten: Es mag ein Phänomen meiner näheren Umgebung hier sein, aber die Autobahnauf- und abfahrten sind oft wahnwitzig kurz und ohne Trennlinie. Oft wird einfach die rechte Spur etwas breiter, und man wird mit einer 20 Meter langen Rampe auf die Autobahn geworfen, und muss mit dem fließenden Verkehr aushandeln, wie man sich einfädelt. Das funktioniert allerdings erstaunlich gut. Vorsicht auch bei Abfahrten: Man muss genau aufpassen, ob man auf der Straße, auf der man landet, eine eigene Spur hat, oder ob man sich einfädeln muss. Oft gibt es weder Haltelinie noch Vorfahrt-Gewähren-Schild.

Schnelle LKW: Brummis ohne Anhänger dürfen genauso schnell fahren wie Autos, die mit Anhänger müssen theoretisch 10mph (etwas 18km/h) langsamer fahren. “Theoretisch”, weil sich in der Praxis kaum jemand daran hält. Die Folge ist ein angenehmer Verkehrsfluss, der kaum von LKW gebremst wird.

Ampeln: Gewöhnungsbedürftig im Stadtverkehr ist vor allem, dass die Ampeln hinter der Kreuzung angebracht sind. Am Anfang muss man aufpassen, dass man nicht der deutschen Gewohnheit nachgibt, bis zur Ampel vorzufahren, und beim Abbremsen verschätzt man sich anfangs oft, weil man gewohnheitsmäßig den Abstand zur Ampel als Anhaltspunkt für den Bremsweg nimmt. Auch beim Linksabbiegen kann es zur Verwirrung kommen, wenn man plötzlich eine rote Ampel vor sich sieht. Diese ist aber natürlich für den Querverkehr von rechts bestimmt.
Die Ampelphasen haben weniger Sicherheitspuffer, also sollte man vor dem Losfahren immer noch schauen, ob nicht doch noch jemand kommt. Und beim Linksabbiegen sollte man sich eher den Versuch verkneifen, noch das tiefgelbe Licht zu schlagen, sonst kann es gut sein, dass man plötzlich im startenden Gegenverkehr landet.

Rechtsabbiegen bei Rot: Rechtsabbiegen bei Rot ist grundsätzlich erlaubt, man muss es allerdings wie ein Stopschild handhaben und kurz anhalten. Wo es nicht erlaubt ist, sind entsprechende Hinweisschilder angebracht (”no right turn on red“). An der großen Straße “El Camino Real” in Sunnyvale gibt es eine Kuriosität: Eine Ampel, die nie grün wird. Der Hintergrund ist, dass man an dieser Stelle weder links abbiegen noch geradeaus fahren darf. Wenn man das Rechtsabbiegen bei Rot nicht gewohnt ist, kann man also eine lange Zeit an dieser Ampel verbringen…
Ebenfalls interessant: Wenn es eine Abbiegerspur gibt, die rechts neben der Ampel vorbeigeht, dann muss man nicht einmal anhalten, sondern nur Vorfahrt gewähren. Das ganze funktioniert sehr gut, wird aber auch dadurch erleichtert, dass es sehr wenig Radfahrer und Fußgänger gibt, auf die man aufpassen muss.

Gut sichtbare Straßenschilder: Wichtige Straßennamen sind meist gut sichtbar auf großen grünen Schildern über der Kreuzung aufgehängt, was die Orientierung sehr erleichtert. Im Gegensatz zu Deutschland, wo man sich den Hals ausrenkt, um diese lächerlichen kleinen blauen Straßenschilder zu erspähen und zu entziffern…

Four way stops: In Wohngebieten herrscht nicht wie in Deutschland das Mantra “rechts vor links”, vielmehr sind hier sogenannte four way stops das Mittel der Wahl. Das heißt, dass an jeder der vier (oder mehr) Seiten der Kreuzung ein Stopschild steht. Wenn zwei oder mehr Autos an solch einer Kreuzung aufeinander treffen, fährt derjenige zuerst, der zuerst zum Stehen kam. Oft kann man das natürlich nicht so genau entscheiden, und dann fährt einfach derjenige zuerst, der es am eiligsten hat. Es ist erstaunlich, wie zuvorkommend hier die Amerikaner teilweise sind. Vorsicht ist geboten, wenn man bereits gestoppt hat und ein Fahrzeug von der Seite angefahren kommt. Hier sollte man sich noch einmal vergewissern, ob es sich tatsächlich um eine four way stop-Kreuzung handelt. Wenn man fälschlicherweise davon ausgeht, dass das Auto ebenfalls anhalten muss und man einfach losfährt, kann das böse enden. An gefährlicheren Stellen gibt es Hinweisschilder wie “cross traffic does not stop” (Querverkehr hält nicht) oder “two way stop“, aber längst nicht überall. Zum Glück erkennt man das achteckige Stopschild auch von hinten und kann so definitiv sehen, ob der Querverkehr anhalten muss.

Kein Herz für Fußgänger: Die Straßen sind zwar extrem großzügig und breit hier, um alle pickup trucks und SUVs aufnehmen zu können, ordentlich Fußwege standen dabei aber nicht auf dem Plan. Als Fußgänger außerhalb der Haupteinkaufstraße hat man oft schlechte Karten: Entweder es gibt überhaupt keinen Bürgersteig, oder er hört abrupt auf. Auch hat man misstrauische Blicke zu ertragen, denn wer geht denn schon zu Fuß? Nur Habenichtse, die sich kein Auto leisten können… Fahrradwege sind übrigens immer öfter zu sehen hier in der Bay Area, allerdings gilt das Fahrrad immer noch vorrangig als Sportgerät und nicht als Fortbewegungsmittel.

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Mal wieder ein Umzug

Wie im Fluge sind sie vergangen, die ersten zehn Monate, und per Brief wurde ich daran erinnert, dass mein Mietvertrag demnächst ausläuft. Anders als in Deutschland gibt es nur zwei Arten von Mietverträgen: Zeitverträge wie in Deutschland, und unbefristete Verträge, die allerdings eine beiderseitige Kündigungsfrist von nur 30 Tagen haben (”month-to-month”). So etwas wie in Deutschland, dass sich die Kündigungsfrist verlängert, je nachdem wie lange man in einer Wohnung lebt, kennt man hier nicht. Das Mieterdasein ist also geprägt vom ständigen Abschließen neuer Zeitverträge, oder aber von der Unsicherheit, dass man jederzeit innerhalb von 30 Tagen aus seiner Wohnung geworfen werden kann. Sicher auch einer der Gründe, warum hier mehr als 60% Wohneigentum besitzen.

Natürlich ist ein neuer Vertrag auch meist mit einer Mieterhöhung verbunden. Diese ist soweit ich weiß gesetzlich auf 10% jährlich begrenzt, gilt aber nur für bestehende Mieter. Das heißt dass es für Vermieter durchaus wünschenswert sein kann, bestehende Mieter zu vergraulen. Hier das Angebot, dass mein Apartmentkomplex mir unterbreitete:
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Mein ursprünglicher Plan, erstmal auf “month-to-month” zu gehen und in Ruhe nach einer neuen, weniger teuren Wohnung zu suchen, wurde dadurch natürlich zunichte gemacht. Fast $3000 pro Monat, wenn ich keinen neuen Zeitvertrag unterschreibe? Wahnsinn. Und $1910 für einen neuen 12-Monats-Vertrag ist auch mehr als ich bereit bin zu zahlen. Also flugs die Kündigung eingereicht und ab auf Wohnungssuche!

Dabei musste ich feststellen, dass der Markt noch einmal angezogen hat. Familien, die durch die von der Kreditkrise ausgelösten Zwangsversteigerungswelle aus ihrem Eigenheim geworfen wurden, drängen jetzt auf den Mietermarkt. Die Anzahl der Zwangsversteigerungen hat sich in diesem Jahr ungefähr versiebenfacht, und die Auswirkungen sind ja sogar bis zu den europäischen Banken durchgedrungen. Ein weiteres Problem dürfte auch darin bestehen, dass die meisten Vermieter die Kreditwürdigkeit überprüfen und insolvente Mieter nicht nehmen, so dass ich in der Zeitung schon von einer Familie las, die ins Hotel ziehen musste.

Zumindest einen Vorteil hat die Wohnungssuche hier gegenüber Großstädten in Deutschland: Es gibt so gut wie keine Makler. Die Vermieter inserieren direkt in Zeitungen oder auf Websites wie www.craigslist.org, und alles was man als Mieter neben Kaution zahlen muss sind Gebühren für den oben erwähnten Kreditcheck, ca. $30-$40.

Durch die allgemeine 30-Tage-Kündigungsfrist (auch bei Zeitverträgen muss man in der Regel 30 Tage vor Ablauf bescheidgeben, dass man ihn nicht verlängern will), sind die angebotenen Wohnungen auch in der Regel innerhalb von vier Wochen oder weniger verfügbar, so dass man auch kurzfristig relativ leicht etwas finden kann. Aber wie gesagt, die Mieten sind mittlerweile mit durchschnittlich $1520 für eine Zweizimmerwohnung in Mountain View auf dem Niveau der Spitze des Dot-Com-Booms von 2001, wobei sie zwischenzeitlich 2003/2004 auf $1100 gesunken war. Und allgemein gilt: “You get what you pay for”. Richtige Schnäppchen konnte ich keine finden, und wenn, dann ist sicher ein Haken dabei. Wie z.B. der etwas zu redselige Vermieter, der mich eine halbe Stunde am Telefon hielt, mit Geschichten über seine deutsche Mutter und seine Essgewohnheiten bei Kentucky Fried Chicken. Zum Glück gibt es Websites wie www.apartmentratings.com, wo man Erfahrungsberichte von Mietern nachlesen kann. So konnte ich dieser Falle ausweichen, denn besagter Vermieter ist wohl auch in der Apartmentanlage derart penetrant und aufdringlich, dass ehemalige Mieter berichteten, dass sie ihren Tag danach planten, dass Roland (so der Name des Vermieters) nicht anwesend war, wenn sie nach Hause kamen. Und falls doch, war Blickkontakt unter allen Umständen zu vermeiden…

Letztendlich konnte ich aber doch noch eine Wohnung finden, die allen meinen Kriterien entsprach: Endetage (wenn auch nur erster Stock), Balkon, 2km vom Arbeitsplatz entfernt, Pool, weniger als $1500/Monat. Sie ist zwar relativ alt und liegt in einer weniger gefragten Gegend von Mountain View, die vorwiegend mexikanisch geprägt ist, dafür aber in Fahrradreichweite zur netten Innenstadt von Mountain View, wo auch mein Büro liegt. In einer Woche ist bereits der Umzug!

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